Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Friedrich Polleross: Arbor Monarchia

196 Arbor Monarchica Nemesis Romano-Austriaco-Tirolensis (Innsbruck 1696) sowie einer Serie von Allegorien auf die Hochzeit Josephs I. im Jahre 1699 bekannt. Der dritte Künstler ist nicht zuletzt aufgrund seines häufigen Namens schwieriger zu identifizieren. Dem nur durch ein 1698 datiertes ornamentales Alphabet bekannten Altenburger Benediktiner Bernhard Mayr könnte man jedenfalls aufgrund seiner graphischen Strichführung durch­aus eine solche Tätigkeit als Kupferstecher Zutrauen. Die den Stechern als Vorlagen die­nenden Zeichnungen hat zweifellos der Autor selbst geliefert, enthält ja auch sein Architekturwerk bei den Kaminentwürfen stilistisch vergleichbare dekorative und figu­rale Formen. Nicht nur inhaltlich erinnert der Monarchen-Baum an die Hofhistoriographie zur Zeit Kaiser Maximilians I., sondern er scheint ebenso als Monumentalgraphik von den Druckwerken des „letzten Ritters" angeregt zu sein. Das innerhalb der österreichischen Barockgraphik einzigartige Riesenformat erklärt sich jedoch in erster Linie aus einer di­daktischen Überlegung. Im Sinne der zeitgenössischen Mnemotechnik ging es nämlich darum, alle dise so herrliche geschribene Bücher/durch disen Monarchen-Baum au ff einmal eröffneter vorzustellen und in Gedächtnis zu bringen. Diese Funktion der Druckgraphik wird in der auf die Baumwurzel geschriebenen Erklärung ebenfalls her­vorgehoben: Wandersmann. Der du dich noch auff dem Schau=Platz dises grossen Welt=Rundtes affhaltest, stehe still, und siehe mich an, aber mit Augen einer auffrich- tigkeit, Ich bin ein Baum undt kein Irrgarthen, vor welchen du mich in ersten ansehen halten möchtest. Prämer betont, daß seine Publikation ähnlich einem Globus bildlich die historische und gottwollte Ordnung nachvollziehbar mache, indem er jeder Person und jedem his­torischen Ereignis seinen rechtmässigen Sitz/ und Wohnungs=Platz zuweise und damit der Leser daßjenige was sonst in so viel tausent Büechern enthalten, in einem ,Tabell' oder ,Compendio' ohne sondere Beschwährung in weniger Zeith Vollständtig (...) begreiffen könne. In diesem Zusammenhang unterstreicht Prämer den didaktischen Charakter der Geschichte und damit auch seines Werkes insbesondere für die Ausbildung eines Herrschers, wobei er sich u. a. auf das Zeugnis des Augustus beruft. Als Handbuch der Universalgeschichte fügt sich Prämers Publikation in zweifacher Hinsicht gut in die zeitgenössische Kulturpolitik des Wiener Hofes. Die Veranschauli­chung der Stellung des Regierenden Welt-Monarchen in zeitlicher und räumlicher Hinsicht als Folge der translatio imperii sowie des mit dem erhofften spanischen Erbe verbundenen Anspruches auf eine Herrschaft in allen vier Erdteilen findet sich seit den 1660er Jahren immer häufiger in der bildlichen und literarischen Panegyrik. Vor dem Hintergrund der politischen Rivalität mit Frankreich, des Kampfes gegen die Türken unter habsburgischer Führung und des sich anbahnenden Ringens um das spanische Erbe war es ein wichtiges Anliegen der Hofhistoriographie, Leopold I. als Orbis Monarcha und Caput Mundi zu präsentieren. 1680 publizierte Johann Ludwig Schön leben die Dissertatio Polemica de prima origine Augustissimae Domus Habsburgo-Austriacae, die nicht nur die Abstammung des Hauses von Karl dem Großen, sondern auch die Verwandtschaft mit 50 Päpsten sowie 150 römischen und griechischen Kaisern nachzuweisen versucht. In Fortführung dieser Arbeit veröffentlich­te der Laibacher Theologe 1 696 das Werk Annus Sanctus Habspurgo-Austriacus, das die Verwandtschaft Leopolds I. mit 365 Heiligen nachweist. Ein unveröffentlichtes Manuskript dieses Gelehrten sollte unter dem Titel Arboretum Austriacum eine Genealogie von 600 n. Chr. bis zur Gegenwart enthalten und mit 300 gestochenen Wappen verziert werden. Etwa gleichzeitig mit dem ersten Werk Schönlebens entstand der Thesaurus genealogicus des kaiserlichen Hofhistorikers Franz Calin de Marienberg, ein Manuskript mit gezeichneten Stammbäumen sämtlicher europäischer Herrscherhäuser und gemalten Wappen. Ebenfalls 1680 begann der venezianische Malteserritter Theodor Amadé von Amadén sein fünfbändiges genealogisches Prunkwerk, das mit sechs- bis siebentausend Wappen illustriert wurde, um die

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