Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Friedrich Polleross: Arbor Monarchia
Arbor Monarchica 197 Verwandtschaft der Habsburger mit allen Herrschern und Leopolds Stellung als Caput orbis, in quo orbis maximi Caesares nempe et reges concurrunt zu belegen. Prämers Arbor Monarchica besaß jedoch nicht nur als Weltgeschichte zur Legitimation der politischen Ambitionen der Habsburger, sondern auch als pädagogisches Hilfsmittel zur Erziehung der künftigen Kaiser Joseph und Karl Aktualität. Tatsächlich sollte der 1684 vom späteren Wiener Fürsterzbischof Franz Ferdinand von Rummel für den Thronfolger erstellten Regia Instructio Primo Ceniti Archi-Ducis Austriae zufolge Joseph I. nämlich die Geschichte der eigenen Familie und Länder genaustens kennenlernen, um darin Gottes Vorsehung für das Haus Österreich zu sehen. Methodisch war gefordert, in Kürze (in compendio) das Nützliche und Nötige zu erlernen sowie mit verschiedenen Kunstkniffen das Studium anziehend zu machen. Hans Jacob Wagner von Wagenfels, der 1 691 als instructor in historicis et politicis des Thronfolgers berufen wurde, verfaßte zu diesem Zweck eine Allgemeine Geschichte von der Erschaffung der Welt bis auf unsere Zeiten, die auf der Lehre der Vier Weltreiche aufbaut. Vor allem Wagners Bezeichnung der Geschichte als ein heller Spiegel, der den Monarchen auf einmal das vorstellig macht, was in vielen tausend Jahren auff unterschiedlichen Orthen geschehen ist und was ihnen für ein getreue Richtschnur in allen ihren Handlungen und wichtigen Staatsgeschäften dienen kann, könnte direkt von Prämer aufgegriffen worden sein. Welt- und Familiengeschichte sowie Lehre durch Exempla spielte auch in der Erziehung Erzherzog Karls eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang seien drei weitere, unmittelbar an die Habsburger adressierte Werke genannt. 1698 betonte Johann Justus Winckelmann in seiner illustrierten Caesarologia, daß die Exempel heilsamer Historien einen so mächtigen und kräfftigen Nachdruck haben und Fürsten und Herren ihrer rühmlichen Vorfahren lob=würdige Exempel zur glücklichen Regierungs=Bestellung vonnöthen hätten. Winckelmanns Werk erschien im selben Jahr wie Prämers Publikation und behandelt auch ein ähnliches Thema, nämlich die Geschichte der vierten Monarchie von Julius Caesar bis Leopold I. 1701 verband der Jesuit Jacobus Boschius in seiner Sinnbild-Enzyklopädie die Theorie der Mnemonik mit einer heilsgeschichtlichen Ethik und widmete sein Werk Erzherzog Karl mit der Aufforderung, die Lehren der Geschichte zu beherzigen. 1705 veröffentlichte Johann Christoph Wagenseil sein von Kaiser Leopold I. in Auftrag gegebenes Konzept Von Erziehung eines Jungen Printzen/ der vor allen Studiren einen Abscheu hat. Unter diesen Umständen ist es verlockend zu vermuten, daß auch Prämers Monarchen-Baum zumindest indirekt als Hilfsmittel zur Erziehung des späteren Kaisers konzipiert worden ist. Prämers eingangs skizzierte Karriere und sein patriotisches Bewußtsein sowie die ausführlich auf die erzieherische Funktion der Geschichte verweisende Dedikation an den jüngeren der beiden Brüder sprechen wohl für diese Vermutung. Literatur Sibylle Appuhn-Radtke, Druckgraphik. In: Hellmut Lorenz (Hrsg.), Barock. München- London-New York 1999 (Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich 4) 607-640 Anna Coreth, Österreichische Geschichtsschreibung in der Barockzeit (1620-1740). Wien 1950 Dies., Historiographie in der Zeit des Barock. In: Rupert FEUCHTMÜLLER/Elisabeth Kovács (Hrsg.), Welt des Barock. Wien/Freiburg/Basel 1986, 87-104 Erich Ecc/Gert Ammann, Barock in Innsbruck. Innsbruck 1980 Gerhart und Hanna Egger, Schatzkammer in der Prälatur des Stiftes Altenburg. Wien 1979 R. J. W. Evans, Das Werden der Habsburgermonarchie 1550-1700. Gesellschaft, Kultur, Institutionen. Wien/Köln/Graz 1986