Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - V. Alltag

Alltag 173 5 Armut und Krankheit in der Frühen Neuzeit 1 630 Dezember 11, Würzburg Ansicht des Spitals der Reichsstadt Buchau am Federsee Zeichnung auf Papier Reichsarchive, Reichshofrat Decisa 1059 Krankheit, Armut und Tod gehören zu den menschlichen Urängsten. Am Bild des Zustands des Spitals der Reichsstadt Buchau am Federsee kann man gut den Zustand der medizinischen und sozialen Versorgung in einer Stadt fern vom Zentrum der Macht und Wissenschaft ablesen. Das Bild ist eine Beilage zu einem Untersuchungsprotokoll des Reichshofrates über die Zustände in Buchau am Federsee und sollte den laschen Umgang der Stadt mit den ihr anvertrauten Geldern im Armenwesen illustrieren. Es zeigt das Spital in einem baufälligen Zustand. Der Zeichnung nach hatte es zwei Stuben für Kranke oder Pfründner, eine Küche und einen Kornspeicher am Dachboden. Über dem Eingang in das Spital sehen wir eine Feuerleiter angebracht. Der untersuchende reichshofrätliche Kommissär war über die Zustände in Buchau entsetzt, sein Urteil über die Zustände nicht eben schmeichelhaft. Sinngemäß war er der Ansicht, daß, wenn die Stadt nicht Reichsstadt hieße, man dies auch nicht vermuten würde. Er kritisierte die Zustände im Rat, die Baufälligkeit der öffentlichen Gebäude. So nennt er etwa das Rathaus für eine Reichsstadt „gar ein schlecht und übel accomodiertes". Allerdings dürf­te er nicht ganz unvoreingenommen gewesen sein, denn, obwohl die Klage von der Äbtissin des Stiftes Buchau ausging, quartierte er sich in einem dem Stift gehörenden Haus ein. Vorher hatte er die städtische Taverne noch als unzumutbar abgelehnt. Thomas Just

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