Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - IV. Kultur

Kultur 163 8 Förderung der Wissenschaften 1846 Mai 30, Schönbrunn Handschreiben Kaiser Ferdinands I. von Öster­reich an Metternich betreffend die Genehmigung zur Gründung einer k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien Papier, mit eigenhändiger Unterschrift Ferdinands I., deutsch Ministerium des Äußern, Administrative Registratur Fach 12, Kart. 1 Mit Kaiser Ferdinand I. (1835-1848) und der Regierung durch die Staatskonferenz lockerten sich die Zügel des Absolutismus in Österreich ein wenig. Nach langer Unterbrechung kam es zu einer neuen Initiative zur Gründung einer Akademie der Wissenschaften: Zwölf Gelehrte, Professoren und Hofbeamte, u. a. der Historiker Chmel, der Orientalist Hammer-Purgstall - der spätere erste Präsident der Akademie - und der Botaniker Jacquin, richteten am 18. März 1837 eine entsprechende Bittschrift an den Kaiser. Die dazu eingeholten Gutachten diverser Hofbehörden waren über­wiegend positiv, interessant sind die in der Diskussion angeführten Pro- und Kontra- Argumente: Für die einen der Weg, Österreich auf das geistige Niveau anderer Staaten zu bringen und der Elite der Forschung die Erweiterung der Grenzen ihrer Disziplinen zu ermöglichen, war eine Akademie für andere bloß eine kostspielige Versorgungs­anstalt für gewisse Gelehrte oder der Versuch, durch eine weitere Staatsanstalt zu erreichen, was nur durch die Beseitigung der bestehenden Hemmnisse in der freien Entfaltung Einzelner (!) möglich sei. Der Plan blieb auf Jahre hinaus bei Metternich lie­gen. Erst 1846 legte er - fast zeitgleich mit einem neuerlichen Vorstoß der Gelehrten - seinerseits dem Kaiser nahe, die Akademie nun doch zu verwirklichen. Bezeichnenderweise wollte er in erster Linie die vielfältigen wissenschaftlichen Bestrebungen der Zeit in feste, von oberster Stelle vorgegebene Bahnen lenken und gedachte gewisse, nach seiner Diktion nicht „positive" Wissenschaftszweige ausge­schlossen zu lassen. Die Ausarbeitung einer Geschäftsordnung verzögerte die tatsächliche Konstituierung der Akademie unerwartet lange. Die erste Sitzung der Gesamtakademie fand schließlich am 27. November 1847 statt. Gerhard Gonsa

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