Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - IV. Kultur
160 Kultur 5 Reformierung des öffentlichen Unterrichts 1798 Mai 16, Solka (Bukowina) Muster-Schulgebäudeplan aus der „Abhandlung über die Kindererziehung aller Staatsbürger überhaupt" von Karl Joseph Fleckhammer; Edlem von Aystetten, Salinenkommissär in der Bukowina Papier, kolorierte Zeichnung Kabinettsarchiv, Studienrevisionshofkommission 8, Nr. 132, Tafel 4 Legende Tafel 4 (Mustergebäude für mittlere Städte): Eingang (a); Treppe in das Obergeschoß für Knaben und Mädchen (b und c); drei Wohnzimmer für Lehrer (d, e, f); Küche für die Lehrer (g); Wohnung für männliche Dienstleute (h); Schulstuben zu ebener Erde (i, k); Schulstube im Oberstock, eine davon für die Ackerbauschule (I, m); versperrter Durchgang in die Mädchenschule (n); Wohnzimmer für die Lehrerin (o, p); Wohnung für ihre Dienstmagd (q); ihre Küche (r); Betfenster und Tür in die Kirche (s, t); Schulglöckeltürmchen (u); Aufzugtür, um einen Getreidevorrat aufzuschütten (w). Im Oktober des Jahres 1795 richtete Kaiser Franz II. für die Angelegenheiten des Schul- und Studienwesens wieder eine eigene Zentralbehörde ein. Die sogenannte Studienrevisionshofkommission sollte den status quo der schulischen Einrichtungen nach den Reformen Leopolds II. erfassen, bestehenden Mißständen nachgehen und einen Plan für eine Neuordnung im Sinne des Kaisers erstellen. Zum Präsidenten des aus 15 Mitgliedern bestehenden Kollegiums wurde der Flofkanzler Heinrich Franz Graf von Rottenhann ernannt, als weiterer hervorragender Experte gehörte der Kommission auch Johann Melchior von Birkenstock an. Beide traten dafür ein, den Unterricht an die Pflichten der verschiedenen Stände anzupassen. Wissen, das über eine unmittelbare Verwertbarkeit hinausging, wurde als unnötig und sogar gefährlich eingestuft, auch bei den höheren Studien standen der Praxisbezug und der Nutzen für die Allgemeinheit im Vordergrund. Die Abhandlung Aystettens, die der Studienrevisionshofkommission durch die territorial zuständige Galizische Hofkanzlei vorgelegt wurde, enthält detaillierteste Pläne für die Erziehung der Jugend beiderlei Geschlechts, aufgegliedert für Bauern, Bürger, Soldaten und Geistliche; beigelegt sind fünf Mustertafeln für zu errichtende Schulgebäude. Gerhard Gonsa