Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - III. Haus - Hof - Staat
142 Staat 4 Die Türken erobern Ungarn 1 526 Juli 15, Ofen Schreiben König Ludwigs II. von Ungarn an Erzherzog Ferdinand Papier, Ausfertigung mit eigenhändiger Unterschrift, latéin Länderabteilungen, Ungarische Akten Allgemeine Akten 2 Nachdem im August 1521 Belgrad gefallen und damit auch das im Laufe des 15. Jahrhunderts gegen die Osmanen ausgebaute ungarische Grenzfestungssystem zusammengebrochen war, lag es ganz in der Hand Sultan Süleimans, wann er zum entscheidenden Schlag gegen Ungarn ausholen würde. Zu Beginn des Jahres 1526 war klar, daß man in diesem Jahr mit dem osmanischen Großangriff rechnen mußte. Ungarische Gesandte waren schon seit einiger Zeit auf den deutschen Reichstagen (1521 in Worms, 1522 in Nürnberg, 1526 in Speyer) erschienen, um Hilfe gegen die osmanische Bedrohung zu erbitten - allerdings ohne Erfolg. Die Mobilisierung der ungarischen Truppen im Angesicht der türkischen Bedrohung ging recht schwerfällig voran, auch die Koordinierung der zur Verfügung stehenden Streitkräfte gelang nicht. In dieser verzweifelten Situation wandte sich der ungarische König Ludwig II. mit einem flehentlichen Brief an seinen Schwager Ferdinand. Darin ersuchte er um Militärhilfe gegen die Osmanen, die gerade mit aller Macht die wichtige ungarische Festung Peterwardein angriffen, und bat auch, auf Kaiser Karl V. einzuwirken, die innereuropäischen Rivalitäten zu beenden, um alle Kräfte für den Abwehrkampf gegen den Feind der Christenheit, die Osmanen, freizumachen. Bereits wenig später zog Ludwig II. mit seiner Armee nach Süden, wo er in der Schlacht von Mohács am 29. August 1526 mit etwa 14.000 Ungarn den Heldentod starb. Ferdinand von Österreich konnte daraufhin, gestützt auf die Erb- und Nachfolgeabreden von 1515, seinen Anspruch auf die verwaisten Königreiche Böhmen und Ungarn anmelden. István Fazekas