Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - III. Haus - Hof - Staat

118 Haus 4 Porträtgalerie 1512, Wien Bestätigung von Privilegienabschriften des Hauses Habsburg durch die Stadt Wien Beginn des Textes in Rahmen mit Porträts einiger Babenberger und Habsburger, signiert A. S. (A. Schöffel ?), Pergamentlibell, acht Blatt Allgemeine Urkundenreihe 1512 XII 19 Dem ersten Anschein nach präsentiert sich das wohl von Maximilian I. selbst angeregte Stück zunächst einfach als eine durch Richter und Rat der Stadt Wien bestätigte Abschrift aus einem alten Codex in Form eines Libel Is. Der Text zitiert die Urkunden von 1058, 1156, 1228 und 1245 aus dem Komplex des Privilegium Maius (vgl. Illc/2), den Rudolf IV. dem Kaiser 1358 vorgelegt hatte. Der Beginn des Textes ist von einer durch Putten getragenen Blumenranke umgeben, in der Halbfiguren-Porträts einiger Babenberger und Habsburger zu erkennen oder durch Beschriftung benannt sind: Markgraf Leopold III., Herzog Heinrich Jasomirgott, Rudolf von Habsburg, Albrecht I., Albrecht II. (V.), Ladislaus Postumus, Friedrich 111., Maximilian L, Philipp der Schöne, Karl (mit dem Wappen Österreich-Burgund), Ferdinand (mit dem Wappen Aragons). Die Auswahl der Personen bzw. die Verwendung von Porträts überhaupt geht aus dem Text nicht zwingend hervor. Sicher spiegelt sich hier Maximilians historisch-politisches Programm wider: im Anschluß an die Babenberger als Landesfürsten von Österreich treten die frühen Habsburger auf. Ladislaus Postumus (ungarischer König 1440-1457) deutet am Vorabend der Heiratsabrede mit den Jagiellonen die Beziehung zu Ungarn an: Elisabeth, die Schwester des Ladislaus Postumus, war die Mutter Wladislaw II. Jagiellos. Auch stilistisch läßt sich eine Beziehung zu Ungarn hersteilen: Der wohl im Umkreis des Hofes tätige Maler gilt als spä­ter Vertreter der unter Matthias Corvinus in Buda nachweisbaren Werkstatt von Buch- und Wappenmalern. Da auch die andere Miniatur dieser Urkunde, die Jagdszene mit dem österreichischen Bindenschild, einem Hofkünstler zuzuschreiben ist, geht die Anregung zu dieser Abschrift sicher von Maximilian aus. Das Werk gehört in den Umkreis jener Arbeiten, die er für seine eigene Memoria und zur langfristigen Legitimation seines Hauses anfertigen ließ. Der konkrete Hinweis auf die Vorgängerdynastie der Babenberger kann nur bedeuten, daß sich die Habsburger als „Haus Österreich" beweisen woll­ten, um gegenüber dem burgundisch-spanischen Übergewicht den politischen Schwerpunkt im Osten zu bekräftigen. Elisabeth Springer

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