Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - III. Haus - Hof - Staat

Haus 117 3 Karl der Kühne als Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies 1556, Gent/Brügge (mit späteren Nachträgen) Statutenbuch des Ordens Papierhandschrift mit eingelegten Pergamentblättern für die Porträts (Brustbilder der ersten sechs Souveräne und Namen und Wappen aller Ritter bis ca. 1560) Archiv des Ordens vom Goldenen Vlies (Depot), Codex 64 Der im Jahre 1430 durch Herzog Philipp von Burgund gegründete Orden vom Goldenen Vlies war als Ritterbruderschaft zur Belebung des Kreuzzugsgedankens gedacht, wobei man sich auf die antike Sage um Jason und die Eroberung des Goldenen Vlieses berief. Ein anderes Motiv war die stärkere persönliche Bindung des Adels an den Herzog, um so für das territorial zersplitterte Burgund einen ideellen Zusammenhalt zu schaffen. Die religiöse Komponente des Ordens wurde durch den Hinweis auf das Vlies Gedeons im Alten Testament betont. Karl der Kühne (1433-1477) verfolgte die politischen Ziele seines Vaters weiter und wollte Burgund zu einem Königreich machen. Sein Tod in der Schlacht bei Nancy und die Heirat seiner Tochter (und einzigen Erbin) Maria mit Kaiser Friedrichs Sohn Maximilian brachten den Habsburgern in Westeuropa großen Landgewinn. Zugleich ging auch die Würde eines Ordenschefs 1478 an Maximilian über. Sie verblieb in wei­terer Folge beim Haus Habsburg bzw. Habsburg-Lothringen. Das vorliegende Porträt ist ein Beispiel der burgundischen Malschule, die vom späten 15. bis zum frühen 16. Jahrhundert im Raum Gent und Brügge mit Werken der Buchmalerei von außerordentlich hoher Qualität nachweisbar ist. Als Vorbild diente das bekannte Porträt des Herzogs von Rogier van der Weyden. Er trägt Insignien und Gewand des Vliesordens, die Bordüre des Mantels ist mit der älteren Ordensdevise „Plus en seray" versehen. Elisabeth Springer

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