Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - III. Haus - Hof - Staat

Haus 115 1 Ein verschwundenes Königsgrab 1670 Grabmal Friedrichs des Schönen in der Kartause Mauerbach Teilweise lavierte Federzeichnung auf Papier, ein Blatt (Beilage zum Schreiben Leopold Brenners an Arnold Brenner, 16. Februar 1670) Habsburgisch-Lothringische Hausarchive, Familienakten 17 Friedrich der Schöne (1289-1330) war nach dem frühen Tod seines Bruders Rudolf der älteste unter den verbleibenden fünf Söhnen König Albrechts I. und der Elisabeth von Görz-Tirol. Die Ermordung seines Vaters 1308 hatte in Österreich politische Unruhen zur Folge und schuf im Reich eine höchst komplizierte Situation. Bei der Thronvakanz von 1314 kam es zur Doppelwahl zwischen Friedrich und Ludwig von Bayern, die auf militärischem Wege, in der Schlacht bei Mühldorf 1322, durch einen Sieg des Bayern entschieden wurde. In die Zeit dazwischen (1314-1316) fällt die Stiftung der Kartause Mauerbach durch Friedrich und seine Brüder, sozusa­gen als gemeinschaftliche Bitte um göttlichen Beistand in der Auseinandersetzung mit dem Gegner. Friedrich und sein Bruder Heinrich gerieten in der Schlacht bei Mühldorf in bayerische Gefangenschaft. Prior Gottfried von Mauerbach trat als Vermittler zwischen den feindlichen Königen auf. 1325 wurde tatsächlich ein Vertrag über eine Art Doppelkönigtum geschlossen, der aber kaum praktische Folgen hatte. Friedrich starb schon 1330. Er wurde in der Kartause begraben, doch war sein Grab damals offensichtlich nicht besonders hervorgehoben. Das aus zwei Zeichnungen mit Ansicht der rechten und linken Seite bekannte Grabmal ist nicht zeitgenössisch, sondern stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es befand sich in der Mitte der sogenannten Mönchskirche und zeigte den König im Harnisch auf einer tischförmigen Bahre auf vier Säulen liegend mit dem Gesicht zum Hochaltar. Da diese Art Hochgrab damals nur mehr vereinzelt vorkam, könnte es sich um die Nachahmung eines älteren Werkes handeln. Das Grabdenkmal wurde während des Türkenkrieges 1683 zerstört, so daß die im Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrten Zeichnungen das einzige Zeugnis für dieses Kunstwerk darstellen. Elisabeth Springer

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