Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - III. Haus - Hof - Staat

114 Illa. Haus Die Familie, die später ihren Namen von der Habsburg im schweizerischen Aargau annahm, läßt sich seit dem 10. Jahrhundert im Oberen Elsaß und in der Gegend von Basel nachweisen. Frühe Nachrichten setzen im Haus-, Hof- und Staatsarchiv mit Urkunden ab 1239 ein; sie halten im wesentlichen Verträge zwischen der Hauptlinie und dem jüngeren Laufenburger Zweig der Familie fest. Mit dem Aufstieg Rudolfs zum Oberhaupt des römisch-deutschen Reiches und der Belehnung seiner Söhne von 1282 (Nr. IIIc/1) beginnt die jahrhundertelange Beziehung der Habsburger zu Österreich. Die Machtbasis im Westen blieb vorerst noch bestehen, vor allem da die unmittelbaren Nachkommen Rudolfs - sein Sohn Albrecht und sein Enkel Friedrich - wieder Reichspolitik betrieben. Die Grablege Albrechts I. in Königsfelden samt der zugehöri­gen Klosterstiftung 1308 deutet noch auf die starke Verbundenheit mit dem Aargau hin. Gleichzeitig können wir beobachten, wie die Habsburger durch den Erwerb von Privatbesitz in Österreich Fuß faßten. Schon im frühen 14. Jahrhundert entstehen hier einige Hausklöster, die auch als Grablegen für Familienmitglieder dienten (Nr. 1). Während des ganzen 14. Jahrhunderts währte der Kampf um den Besitz in der Schweiz, der schließlich zuungunsten Österreichs entschieden wurde. Durch die später bestätigten Fälschungen Rudolfs IV., mit deren Hilfe er seine hoch­fliegenden Pläne zur Aufwertung seiner Länder zu verwirklichen suchte (Nr. 4 und lllc/2), wurde das Haus Habsburg zum Erzhaus, die Heiratspolitik an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit (burgundische Heirat, spanische und böhmisch-ungarische Doppelhochzeit, Nr. lllc/3) verstärkte noch den Nimbus der besonderen Auserwähltheit der Dynastie, der zusätzlich vom Glanz des Kaisertums überstrahlt wurde. Die Erwerbung von Burgund durch die Heirat Maximilians mit Maria, der Tochter Karls den Kühnen, brachte auch den Orden vom Goldenen Vlies an die Habsburger (Nr. 3). Bezeichnenderweise wurde er der habsburgische Orden schlechthin, der gemeinsam mit der Familie auch das Ende der Monarchie überlebte. Er stellt eine Mischung aus Hausorden und Verdienstorden dar, der nie ein nationaler Verdienstorden wurde, son­dern sich den Charakter einer internationalen Bruderschaft bewahrt hat. Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv hatte, worauf sein Name hinweist, stets auch die Funktion eines Familienarchivs zu erfüllen und dokumentiert daher in seinen Beständen (z. B. Familienurkunden, Familienakten, Familienkorrespondenz) das persönliche Umfeld der einzelnen Familienmitglieder von der Geburt bis zum Tod, aber auch das historische Selbstverständnis, wie es in einzelnen Auftragswerken von der Handregistratur Friedrichs III. (Nr. 2) bis zu den Wappenzeichnungen im Stammbaum des Johannes Sambucus (Nr. 5) zum Ausdruck kommt. Die ausgewählten Beispiele illus­trieren zum einen Momente aus dem persönlichen und privaten Umfeld der Habsburger wie die Grablege Friedrichs des Schönen in Mauerbach (Nr. 1) oder das Testament des „guten Kaisers Franz" (Nr. 9), der „seine Liebe seinen Untertanen" vermachte, oder die meist sehr sorgfältig geplante Erziehung der zahlreichen Kinder, wofür die von Franz Stephan verfaßte Instruktion (Nr. 8) ein anschauliches Beispiel liefert. Sie machen zum anderen aber auch deutlich, daß der Herrscher und seine Familie von der Wiege bis zum Totenbett Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren, eingebunden in ein strenges Korsett zeremonieller und staatspolitischer Verpflichtungen (Nr. 7), die immer weniger Raum für persönliche Regungen ließen. Der alte Kaiser Franz Joseph verkör­perte schließlich perfekt den Typus des über den Parteien stehenden korrekt-zurückhal­tenden Beamten-Monarchen (Nr. 10). Öffentlich und von wahrhaft staatspolitischer Tragweite war auch, gerade im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation, die persönliche Religiosität der Herrscher und ihrer Angehörigen (Nr. 6). Elisabeth Springer/Leopold Auer

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