Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)

I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge

51 sich. Im Felde oblag die unmittelbare Führung sowie die Aufrechthaltung der Ordnung bei den Fuhrwerken dem General-Wagenmeister oder General-Wagenmeister- Lieutenant. Die Bagage der Artillerie wurde nach altem Brauche und Vorrechte stets in G-emeinschaft mit den Geschützen befördert. Das theilweise berittene Train-Personale bestand für eine Proviant-Colonne von 200 Wagen mit 800 Pferden beiläufig aus 600 Personen, welcher gleichfalls ein Feld­kaplan zur Verseilung der Seelsorge beigegeben war1). Bei Errichtung eines Feldspitales wurden stets ein oder nach Bedarf auch mehrere Feldkapläne zur Verseilung der Spitals-Seelsorge aufgenommen, wie dies aus der Instruction Kaiser Ferdinands III vom Jahre 1635 für den Feldhospital- Priester Jodocus Sünnecken zu ersehen ist, der »an Sold und Unterhalt für sich und die Seinigen (beigegebene Priester) aus der Spitalscassa monatlich 66 Gulden und 22 Kreuzer bezog, und an den Orten, wo das Brod nicht leicht zu haben war, jedesmal nach Noth dürft solches ihm aus dem kaiserlichen Proviant geliefert wurde. Die Portiones an Fleisch, Wein, Brei, Brod, Futter für die Pferde und Servitien hatte er in den Winterquartieren, und wo das Feldspital in Städten logierte, erhöht bekommen2)«. Das Sanitätswesen ließ im allgemeinen viel zu wünschen übrig, und die ärztliche Kunst übten vorwiegend Männer aus, die gar keine oder nur eine geringe wissenschaftliche Bildung hatten. Es bestand nur in Wien ein Soldaten­spital und Armenhaus, welches unter die Aufsicht des Vice-Statthalters gestellt und mit dem nothwendigsten Verwaltungspersonale versehen war. Die Kosten der ärzt­*) Feldzüge des Prinzen Eugen I S. 258. 2) Krgs.-Arch. K.-A. IV, 1 ex 1635. 4*

Next

/
Oldalképek
Tartalom