Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)

I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge

52 lichen Behandlung der kranken und verwundeten Soldaten wurden von ihren Gebühren in Abzug gebracht. Wenngleich auf Errichtung von Feldspitälern schon bei Beginn der Operationen Bedacht genommen wurde, so verzögerte sich doch die Aufstellung derselben bei der großen finanziellen Bedrängnis des Staates oft bedeutend oder unterblieb sogar gänzlich, wenn die Lieferanten die Beistellung des nöthigen Materials nicht bewerkstelligen konnten, wie z. B. im Jahre 1697, in welchem von einer solchen Anstalt nirgends die Bede ist. Das Medicamentenwesen war nicht besser als das Heil­verfahren bestellt, wenngleich die Ausgaben dafür sich während eines einzigen Feldzugjahres manchmal auf 50.000 bis 70.000 fl. beliefen. Das General-Kriegs-Commissariat bemühte sich, diese Summen möglichst zu restringieren, rind infolgedessen mussten die Oommandanten häufig aus eigenen Mitteln Abhilfe treffen oder die kranken Soldaten mit drückenden Abzügen belasten. Graf Guido Starhemberg erstattete aus Esseg unterm 6. Juni 1697 die Meldung an den Hofkriegsrath, dass sich »durch manche Umstände die Sparsamkeit mit Medicamenten sehr gefährlich zeige und der Scorbut an der unteren Donau unter dem Kriegsvolke aufräume. Auch die im Lager und auf dem Marsche be­findlichen Begimenter entbehrten der Heilmittel, und der Ankauf von solchen sei in einem so uncultivierten Lande oft ganz unmöglich. Viele tausend Gulden wurden für die Apotheken aufgerechnet, und doch erhalte der arme Soldat selten etwas anderes als ordinäre Schwitzpulver und schlechte Purgiermittel. Für den gemeinen Mann sei überhaupt nichts aus den Apotheken zu bekommen, und wenn ein Officier Medicamente fordere, so müsse er sie mit mehr als dem vierfachen Werte bezahlen.«

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