Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)
I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge
DRITTES CAPITEL. Die Militär-Seelsorge. $ 1. Ursprung und erste Vertreter der Militär-Seelsorge in Österreich. Als in Österreich, unter Kaiser Maximilian I die Landsknechte aufkamen, erhielt jedes Fähnlein einen eigenen Kaplan, welcher die Mannschaft zu erbaulichem Lebenswandel ermahnte und in jenen Zeiten, in welchen die ärztliche Kunst bei den Herren noch auf sehr tiefer Stufe stand, den Kranken und Verwundeten nicht allein geistlicher, sondern auch oft ärztlicher Beistand war. Nach Fronsbergers Kriegsbuch aus dem Jahre 1475 »sollte der Kaplan ein gelehrter, frommer und christlicher Mann sein, der, wo es angieng, vor des Hauptmanns Zelt, wohin den Soldaten die Trommel beschied, Officiere und Gemeine zur Frömmigkeit und Gerechtigkeit ermahnen, ihre Untugenden in Worten strafen und sie zur christlichen Zucht und gottesgefälligem Wandel in erbaulicher Rede anweisen sollte1).« Gab es auch der Kapläne sehr viele, so war deren Stellung doch nur eine niedere; denn sie hatten nur den Sold eines Landsknechtes. Doch wendeten die Hauptleute ') Vergl. Georg Liebe, der Soldat in deutscher Vergangenheit, Monographie zur deutschen Culturgeschichte, Leipzig 1899.