Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)
I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge
46 ihnen allerhand Nebenverdienste zu, und während des Marsches wurde ihnen ein Pferd beigestellt1). Unter den Feldkaplänen des 16. Jahrhunderts ragte Anton Brus hervor. ZuMüglitz in Mähren am 13. Februar 1518 geboren, studierte er in Prag und mehrere Jahre in Krakau, trat dann in den Orden der Kreuzherren mit dem rothen Stern und wurde 1541 zum Priester geweiht. Dem Kufe des Feldherrn Heinrich Merzicky von Lomnic folgend, wirkte er 1542 — 1545 als Feldkaplan. Bald wurde er als ein begeisterter, feuriger Redner bekannt; Feldherren und Soldaten hörten ihm mit gespannter Aufmerksamkeit zu und Kaiser Ferdinand I wurde auf ihn aufmerksam gemacht. Seine sehnige Gestalt, sein feuriges Auge, seine Redegewandtheit, noch mehr das sichere Handhaben der Waffen, flößte den Landsknechten eine gewaltige Achtung ein. Nach dem Waffenstillstände vom Jahre 1545 kehrte er in das Kreuzherren-Ordenshaus zurück, wurde Stadtpfarrer zu Eger und 1552, kaum 34 Jahre alt, General-Großmeister des Kreuzherren-Ordens in Prag. Als der Krieg mit den Türken wieder ausbrach, wurde er zum Armee-General-Yicar und Geheimrathe ernannt. Da er fünf lebendige Sprachen vollkommen beherrschte, war sein Einfluss und seine Wirksamkeit in der Armee sehr groß und ersprießlich. Er genoss eine solche Achtung und hatte ein so großes Ansehen, dass er im Jahre 1558 zum Bischof von Wien ernannt wurde. Als nach dem Entschlüsse Ferdinands I der Prager erzbischöfliche Stuhl nach mehr als 140jähriger Vaeanz wieder besetzt werden sollte, fiel die Wahl auf Brus, der einerseits zu den befähigtesten Männern seiner Zeit zählte, anderseits in Ermangelung einer Dotation fiir das ganz ') Franz Müller, Die k. k. österr. Armee S. 254.