Ciszterci rend Nagy Lajos katolikus gimnáziuma, Pécs, 1857
21 Da also aus dem Begriffe der allgemeinen Bildung das Bediirfniss des Unterrichtes in diesen vier Sprachen sich von selbst ergibt: so entsteht die Frage, welches didactische Mittel ist wohl bei’m Unterrichte in diesen Sprachen zu beachten, damit er den Schüler 1. nicht erdrücke; und 2. nicht verwirre? Was den ersten Punkt anbelangt, nämlich das anzuwendende Mittel, damit der grammaticalische Unterricht in diesen vier Sprachen nicht erdrücke: dies ist in den Worten des Organisations - Entwurfes pag. 29.. „Die den verschiedenen am Gymnasium zu lehrenden Sprachen gemeinsamen Hegeln der Grammatik sind durchgängig in dem Unterrichte über die Muttersprache zu entwickeln,“ und in den Worten: „Es werden beim Erlernen der lateinischen (hier muss ich einschalten „auch der übrigen, nämlich der deutschen und griechischen") Sprache die Punkte hervorgehoben, welche dem lateinischen (griechischen und deutschen) abweichend von der Muttersprache eigenthümlich sind“ (Org.-Entw. pag. 101.) enthalten. In Folge dieser Andeutungen ist also die Muttersprache jene Sprache, in welcher gleichsam der Schwerpunkt des sprachlichen Unterrichtes zu ruhen habe; sie ist wie die Sonne in der physischen Welt, um welche herum die übrigen zu demselben System gehörenden Wellkörper sich bewegen, von welcher sie ihr Licht und Glanz erhalten. Das hieraus sich ergebende didactische Mittel ist also: die Vergleichung aller Hegeln der zu erlernenden Sprachen mit den Hegeln der Muttersprache. Mittelst dieser Vergleichung müssen 1-ens jene Punkte, welche die übrigen zu erlernenden Sprachen mit der Muttersprache der Schüler gemeinsam haben; und 2-ens jene Punkte, in welchen sie von derselben abweichen, hervorgehoben werden. Aber nicht nur mit der Muttersprache ist eine jede neu zu erlernende Sprache, sondern mit allen, dem Schüler schon bekannten Sprachen ist sie auch auf dieselbe Art zu vergleichen: was besonders dann zu thun ist, wenn die Muttersprache mit der neu zu erlernenden Sprache nicht, oder doch weniger verwandt ist; was besonders bei der magyarischen Sprache der Fall ist, welche zur scythischen Sprachen-Familie gehörig, mit den übrigen zu erlernenden, nämlich: mit der deutschen, lateinischen und griechischen Sprache, welche zur indogermanischen Sprachen-Familie gehören, weniger und in manchen Punkten gar nichts analogisches darbietet. Ich will hier in Betreff einiger Lehrsätze, die vier in den Gymnasien Ungarns obligaten Sprachen in oben angedeuteter Weise mit einander vergleichen; woraus das angegebene didactische Mittel, und wie nützlich es zur Abwendung des Erdrückens des Schülers sein mag, sichtbar werden soll. a) Der Artikel. Ich setze den Fall, der Schüler muss schon in der 4. Classe der Hauptschule neben der ungarischen als Muttersprache, die deutsche Sprache lernen. Es mag nun der deutsche Artikel ihm vorgetragen werden; die Lehre vom ungarischen Artikel weiss er bereits; wie wird der Lehrer nun verfahren, um die Lehre von dem deutschen Artikel dem Schüler so beizubringen, dass der Schüler nicht erdrückt werde? Der Lehrer wird die Lehre vom magyarischen Artikel vorsagen, oder durch den Schüler selbst vorsagen lassen; und dann wird der Lehrer die Vergleichung so beginnen: So wie die magyarische Sprache zwei Artikel hat, nämlich den bestimmten und unbestimmten; eben so hat auch die deutsche Sprache dieselben Artikel. Nämlich in der magyarischen Sprache ist der bestimmte Artikel: az, oder vor einem Consonanten a’; der unbestimmte: egy; in der deutschen Sprache ist der bestimmte Artikel: der, die, das; der unbestimmte: ein, eine, ein. Dies ist der erste Punkt, welchen beide Sprachen gemeinsam haben. Der zweite gemeinsame Punkt ist, dass in beiden Sprachen der bestimmte Artikel vom Pronomen demonstrativum gebildet, aber tonlos ist. Der dritte gemeinsame Punkt ist: dass in beiden Sprachen der unbestimmte Artikel von der Grundzahl „egy“, „ein“, abgeleitet ist. — Nun wird der Lehrer die Punkte, in welchen der Artikel der Muttersprache abweicht, hervorheben. Nämlich der erste Punkt ist: dass der Artikel im Ungarischen, weil da kein Genus Nominum stattfindet, in allen Fällen, vor einem jeden Worte unverändert derselbe verbleibt; im Deutschen aber die Genus-Endungen annimmt; z. B. a’ férfiú, der Mann; az asszony, die Frau; az állat, das Thier. Der zweite Punkt, in welchem eine Abweichung stattfindet, ist: dass der Artikel im Ungarischen in allen Casus unverändert bleibt; im Deutschen aber gebeugt wird, z. B.: a férfié, des Mannes; a férfinak, dem Manne; a férfit, den Mann. In diesen zwei Punkten weicht also der Artikel im Ungarischen vom Artikel im Deutschen ab. — In der ersten Gymnasial-Classe nun, wo die lateinische Sprache an die schon bekannten Sprachen angereiht wird, wird der Lehrer einfach bemerken, und den Schüler darauf aufmerksam machen: dass die lateinische Sprache keinen Artikel hat. — In der dritten Gymnasial-Classe folgt nun auch die Lehre vom Artikel in einer vierten zu erlernenden Sprache, nämlich in der Griechischen. Hier wird nun ebenfalls der Lehrer vergleichend fortfahren und sagen . Die