Folia Theologica 22. (2011)
Rokay Zoltán: Die Religion und die Religionen bei. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling während seiner zweiten Tätigkeit in München (1827-1841)
96 Zoltán ROKAY Was wir besitzen, sind verschiedene Mitschriften, Niederschriften, seiner Vorlesungen.4 5 II. Die Leistung des ersten Münchener Aufenthalts von Schelling (1806-1820). Ort und Verortung der „positiven Philosophie" Schellings Schelling begann seine erste Tätigkeit in München, aus Würzburg kommend, im Jahre 1806. Da es aber um die Zeit in München noch keine Universität gab, wurde er Mitglied der Bay'rischen Akademie, und später Generalsekretär derselben. In diese Zeit fällt Schellings Schrift: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit, die zwar für bedeutend betrachtet wird, über deren Originalität aber die Meinungen weit auseinandergehen können.3 Man spricht auch vom Tod der ersten Frau Schellings, der von Schlegel geschiedenen Caroline, als entscheidendem Wendepunkt im Denken und Wirken von Schelling. Viel wichtiger scheint jedoch die Auseinandersetzung zwischen Jacobi und Schelling im Zusammenhang seiner Denkentwicklung und im Punkt Religion gewesen zu sein.6 Noch zur Zeit seiner Tätigkeit in Würzburg, verfasste Schelling 1804 seine Schrift: Philosophie und Religion. Darin vertritt er einen Standpunkt, welcher einer Emanationslehre ähnlich ist, um gerade von dem „Abfall" des Gegenbildes des Absoluten die Möglichkeit der Religion (die Abkunft der endlichen Dinge aus dem Absoluten und ihr Verhältnis zu ihm) zu erklären.7 Nach Schelling gibt es vom Absoluten zum Wirklichen „keinen ständigen Übergang, der Ursprung der Sinnenwelt ist nur als ein vollkommenes Abbrechen von der Absolutheit durch 4 Seine letzte, durch ihn publizierte Schrift erschien 1815: Über die Gottheiten von Samothrace, Tübingen 1815. 5 Vgl. Schelling, F. W. J., Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände (1809), in Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Schriften 1804—1812, Berlin 1982.131-208. 6 Jacobi, F. H., Von den Göttlichen Dingen und ihrer Offenbarung, 1811, in Friedrich Heinrich Jacobis Werke, Leipzig 1816.245-460. F. W. J. Schellings Denkmal der Schrift von den göttlichen Dingen etc. des Herrn Friedrich Heinrich Jacobi und der ihm in derselben gemachten Beschuldigung eines absichtlich täuschenden, Lüge redenden Atheismus (1812), in Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Schriften 1804-1812, 209-316. 7 Vgl. Coreth-Ehlen-Schmidt, Philosophie des 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1989. 41.