Folia Theologica 22. (2011)

Rokay Zoltán: Die Religion und die Religionen bei. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling während seiner zweiten Tätigkeit in München (1827-1841)

DIE RELIGION UND DIE RELIGIONEN ... 97 einen Sprung denkbar."8 Auf so eine Vorstellung kritisch Bezug neh­mend, sagt auch Fichte: „Nun hat auch von jeher die Religion diese an­dere Welt gekannt und vorgestellt, aber nur als einen Gegenstand des Glaubens, d.i. als ein solches, zu welchem keinen stetigen Übergang gäbe aus der sinnlichen Welt, sondern nur durch einen Sprung."9 (Hier bei Fichte also in entgegengesetzte Richtung). Schon in seiner „Religionsschrift" nimmt Schelling auf die eleusini- sche Mysterien Bezug, welche die Sehnsucht nach der Wiedervereini­gung mit dem Urbilde darstellen.10 11 Schelling spricht von derselben Sehnsucht und Mysterien, wenn hier das Wort „Religion" nicht fällt, weil wir uns im Bereich der Mysterien befinden, und daher die Kate­gorie „Religion" weniger zutreffend ist, weil sie erst im Zusammen­hang mit der Religion der Offenbarung adéquat verwendet werden kann, - in dem Festvortrag: Über die Gottheiten von Samothrace, ge­halten am 12. X. anlässlich des Namenstages des Königs Maximilian in der Baier'sehen Akademie der Wissenschaften.11 Die wichtigste Leistung des ersten Münchener Aufenthaltes von Schelling sind aber die Weltalter-Fragmente. Bruchstücke eines gross angelegten Unternehmens, dessen Planung ab 1811 registrierbar ist. In diesem Werk wollte Schelling alles verarbeiten und zusammenfassen, aber auch veröffentlichen, was er bis dahin aus der Mythologie, Trans­zendentalphilosophie und Naturphilosophie sich angeeignet hat.12 Er entwickelt darin seine „Potenzenlehre" (in Keimen), welche man auch eine Art „Trinitätslehre" nennen könnte, aber auch die Schöpfungs­lehre, was die selbe Sehnsucht begründet, von welcher in den Über die Gottheiten von Samothrace die Rede war, und auf die selbe „Hestia" Bezug nimmt.13 Die Weltalter-Fragmente sind auch wegen der Hin­wendung zur „positiven" Philosophie bedeutend: Ludwig Kuhlenbeck schreibt dieselbe mit folgenden Worten um: „Die Weltalter atmen be­8 Schelling, F. W. ]., Philosophie der Religion (1804), in Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Schriften 1804-1812, 62. 9 Fichte, J. G., Uber das Verhältnis der Logik zur Philosophie oder Transzendentale Logik (vorgetragen 1812), Meiner, Hamburg 1982. 258. 10 Vgl. Schelling, F. W. Philosophie und Religion, 63. 11 Vgl. Anm. 4. 12 Ich benützte die Ausgabe: Die Weltalter von F. W. J. Schelling. Herausgegeben mit Einleitung und Anmerkungen von Prof. Dr. Ludwig Kuhlenbeck, Leipzig (ohne Erscheinungsjahr). 13 Vgl. Über die Gottheiten, 12ff., Weltalter, 60.

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