Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

88 Géza KUMINETZ sen ist ein grosses Geschenk des Menschenseins und ein grosser Ans- porner des Menschenwerdens, weil sie einem helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Wir können auch so formulieren, dass das Schuld­gefühl oder das friedliche, ruhige Gewissen eine Folge der Gegen­überstellung mit der religiös-moralischen Wahrheit ist. Was für eine Position kann der Mensch gegenüber dieser Wahrheit annehmen? Entweder erkennt er die Verletzung der „Regel", und Reue haltend lebt er wieder nach der Wahrheit, oder er empört sich dagegen, und da das Wahrheitsgefühl in seiner Seele wirkt, sagt es dem Bewusstsein ständig Bescheid, dass sich dieses letztere irrt! Deshalb unterdrückt, er­stickt oder sogar zerstört es das Schuldgefühl nahezu vollkommen. Und diese, auf die begangene Sünde gegebene Antwort verursacht am meisten Persönlichkeitsstörungen. Die gesunde Antwort, das heisst die Busse, das Übernehmen der Verantwortung bringen Heilung und ausschliesslich sie bringen Heilung, die falsche Antwort dagegen macht die Seele krank, wessen somatische Wirkungen allgemein be­kannt sind. Es gibt natürlich auch einen anderen Weg, die Gegenüberstellung mit der Wahrheit zu dämpfen oder zu vermeiden. So (ausser der Erstickung) das Abwälzen der Verantwortung zu den anderen: z. B. ich hatte eine schlechte Kindheit gehabt usw.; das ist der allgemein bekannte Sündenbockmechanismus. Das stellt also einen Verantwort­lichen dar, es nennt aber den richtigen Verantwortlichen nicht. Darum gab es diesen Mechanismus und wird ihn wahrscheinlich auch bis zum Ende der Geschichte geben. Wer sind die potentiellen Verantwortli­chen? Die Kirche, der Staat, ein Volk, die Umstände, jedermann und alles. Ein drittes Täuschungsmanöver ist das Suchen einer Ersatzlö­sung und deren vermutetes Finden. Wenn jemand die Last der morali­schen Ordung um jeden Preis abschütteln will, ruft er aus, dass es we­der eine moralische Ordnung noch deren Schöpfer gibt; es gibt also auch keine persönliche Verantwortung, die Ihm Rechenschaft geben soll.29 Dieser Täuschungsmechanismus kann auch so vollkommen sein, 29 Vgl. Dudek, ]., Dogmatikai olvasmányok [Dogmatische Lesungen], Budapest 1914. 10-11: „Am Glauben gibt es auch heute keine Mangel, auch heute können die Menschen sehr gut und leicht glauben. Auch unsere Dogmatik würde ihnen wegen ihrer Lehren keine Schwierigkeiten bereiten, auch da­für könnten sie ihren Glauben benutzen, wenn die Dogmatik bloss eine Theorie wäre. Es gibt jedoch ein Problem. Besteht ihr übernatürlicher Cha­rakter vielleicht darin, dass sie offenbart ist und nicht die Erfindund des

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