Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

RECHTLICHE, RELIGIONSPHILOSOPHISCHE ... 89 dass wir nicht mehr bereit oder fähig sind, die in unserem Denken na­hezu gewurzelten Wiedersprüche zu erkennen und zu anerkennen. Wie auch wir tun, ist all das ein Zeichen dafür, dass das Schuldgefühl (als Beschuldiger unseres Gewissens) in uns vorhanden ist und wir mit ihm kämpfen, genauer gesagt wir versuchen es loszuwerden, weil es als eine unerträgliche Last erscheint. Die wirkliche und einzige Weise, es aufzuheben, ist die Reue und die von der beleidigten Person gegebene Entbindung, die in ihre Liebe zurücknimmt. Ein anderes wichtiges Gradmesser der Qualität unserer Reue ist die Sensibilität unseres Gewissens, die wir ein ganzes Leben lang verfein­ern sollen. Nach dem Kathechismus der Katholischen Kirche bedeutet das das folgende: „Das Gewissen ist ein Urteil der Vernunft, in welchem der Mensch erkennt, ob eine konkrete Handlung, die er be­absichtigt, gerade ausführt oder schon getan hat, sittlich gut oder schlecht ist." Das ist der letzte, subjektive Massstab für unsere Gedan­ken, Taten und Gefühle. Das Gewissen ist eine Tatsache, eine sich auf nichts zurückzuführende Urwirklichkeit in der Seele, die notwendige Gegebenheit unserer Natur. Wenn es nicht richtig funktioniert, können wir den Anforderungen unserer menschlichen Würde nicht entspre­chen. Zum richtigen Wirken des Gewissens muss das Gesetz erstens erlernt werden, dann muss sie beziehungsweise deren Verletzung in der bestimmten Situation auf richtige Weise wahrgenommen werden. Die Stimme des Gewissens ist eigenartig und auf analoge Weise kann sie Gottes Stimme genannt werden, weil sie gerade durch die Wahr­nehmung des Wertes zu uns kommt. Sie zeigt, dass das Gesetz heilig ist, er ist also mit dem Verfasser des Gesetztes eng verbunden. Daher ist es leicht einzusehen, warum die Verletzung der Norm als Sünde auch unmittelbar den Verfasser und Herrn des Gesetzes beleidigt, folg­lich warum wir uns am liebsten Gott um Vergebung bitten sollen. Hier ist nur zu bemerken, dass die Stimme des Gewissens nicht mit der menschlichen Verstandes ist? Nein, sondern etwasanderes. (...) Aus jener katholischen Dogmatik folgt eine Morallehre, die den Menschen über all seine Taten sogar die heimlichsten Gedanken Rechenschaft verlangt und einem ausser des Himmels sogar die Hölle droht, wobei sie die Rechen­schaft ins Jenseits verlegt. Sie verlangt von dem Menschen: wenn du so glaubst, sollst du auch so leben! Der Grund für die Zögerung des moder­nen Menschen besteht nicht darin, dass er nicht gern glaubt, sondern der Grund besteht in der katholischen Morallehre. Bei einem bewusst und un­mittelbar, bei einem anderen, namentlich bei der grossen Menge, indirekt nach dem Beispiel der Gelernten".

Next

/
Oldalképek
Tartalom