Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

86 Géza KUMINETZ heisst durch den in religiös-moralischem Sinne genommene Charakter verlangt. Immerhin sind wir von dieser Stufe oft weit, weil das Kennt­nisniveau unserer Sünden und die Richtung der Befreiung davon mehr oder weniger unterschiedlich sein beziehungsweise sich verzerren kann. Auf diesem Gebiet unterscheidet die Seelenkunde drei falsche Weisen der Beichte: den Legalismus, den Skrupulismus und den Ma­sochismus. Beim Legalismus wälzt der Beichtende die Verantwortung für seine begangenen Sünden auf andere. Der Skrupulöse, das heisst der krankhaft ängstliche Mensch flieht in die Vergangenheit, weil er anstatt seiner gegenwärtigen Sünden wegen der früheren schweren Sünden jammert. Dadurch verbirgt er die wirklichen Beweggründe seines geistigen Lebens, die immer Hass, Faulheit, Misstrauen usw. sind. Diese entweder vermag oder kann oder wagt der Beichtende nicht bewusst zu machen, denn so würde eventuell seine über Gott oder über sich selbst geschaffene Vorstellung zusammenfallen. Und der Beichtende von masochistischem Typ erniedrigt sich selbst krank­haft, wessen Hauptzeichen ist, dass er nicht seine Sünden sondern seine Charakterfehler aufzählt, oder auf die gegen ihn begangenen ver­meintlichen oder wirklichen Ungerechtigkeiten hinweist. Ausser der Verstärkung des Selbstbedauerns hat er damit das Ziel, auch beim Beichtvater Bedauern, genauer gesagt Mitleid erwecken zu wollen. Die Qualität unserer Beichte verrät also, was für Gottes- und Men­schenbild in uns lebt, verrät auch, ob wir zu Gott wirklich ein per­sönliches Verhältnis, und auf paradoxe Weise ob wir auch zu uns eine persönliche Beziehung haben (diese Stufen zeigen also die Qualität un­seres Schuldgefühls und unserer Gebete. Die Psychologie unterschei­det drei Stufen unserer Menschheit. Diese sind 1. die Stufe der Öffent­lichkeit, das heisst die Rollenstufe: wo wir uns nach den Erwartungen der Gesellschaft verhalten, als Vater, Mutter, Kind, Priester, Mönch punkt aus bleibt der Schuldige für immer ein Schuldner. Der vierte Schritt ist die Vergebung, welche die Sünde tilgt. Ohne die Vergebung würde die Reue ihr Ziel nicht erreichen. Die erhaltene Vergebung ist ihrer Natur ge­mäss umfassend, vollkommen gratis, das heisst eine Tat und ein Imperativ der Gnade für den von seines Sünden befreiten Menschen, damit auch er seinen Schuldigem gegenüber ähnlich tun kann. Vgl. Weber, H., Általános erkölcsteológia, 304, 336-343. Aus den oben erwähnten ist zu sehen und ein­zusehen, dass die Erkenntnis und Lossprechung der Sünde den Menschen in seinem ganzen Wesen betrifft, sowohl sein Geist als auch seinen Körper, seine Seele und seinen Gefühlszustand.

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