Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

RECHTLICHE, RELIGIONSPHILOSOPHISCHE ... 81 Handlungen sondern auch auf die Gedanken und Gefühle, die mit­einander so eng verbunden sind, dass es keine freie Handlung ist, die nicht durch einen Gedanken oder ein Verlangen hervorgerufen wäre. Demzufolge reicht es nicht, die äusseren Handlungen zu regeln, son­dern auch die Gedanken und Gefühle müssen geführt werden. Beides steht unter der Macht des Willens".20 Der Wille kann ausserdem einen wenigeren oder grösseren Einfluss erlangen, sowohl auf die Gedanken als auch auf die Gefühle. Aber eins steht fest: wenn die entsprechende Herrschaft des Willens nicht vorhanden ist, ist das ein Zeichen dafür, dass der Charakter von der völligen Entfaltung noch weit entfernt ist. Die Gedanken und Gefühle können die Sünden aufleben lassen. Dieser Charakterzug wird von den Naturreligionen im allgemeinen nicht berücksichtigt, von den mosaischen Gesetzen aber ja. Es reicht nur auf das Hauptgebot oder auf die Zehn Gebote hinzuweisen. Die Aus­drücke „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft" oder „du sollst nicht (...) verlangen" usw. deuten darauf eindeutig hin. Das hat dazu geführt, dass das Wesentliche der Busse in der Reinheit der Seele in Erfüllung kommt, was einen Kampf gegen die inneren und oft verborgenen Sünden und sündhaften Anregungen und dessen Unternehmen bedeutet. Einer der vielleicht grössten Bereiche dieses Kampfes ist die Pflege des Gemüts. Aufgrund der oben erwähnten macht die Busse, das heisst das Aus­üben der Tugend der Reue den Menschen nicht kraftlos, sondern ganz im Gegenteil, sie beruhigt ihn, weil er die Sünde erkannt und ihr wi­dersagt hat. Obwohl „die Sünde die endliche Tat eines endlichen Wesens ist und in sich genommen auch das Böse in ihm endlich ist, aber weil sich die Verletzung gegen das unendliche Wesen gerichtet war, kann die ent­sprechende Genugtuung nur eine endliche Wiedergutmachung geben. Ein Mensch kann so etwas nicht geben. In sich genommen ist der Weg zur Versöhnung unmöglich".21 Darum wird der Pönitente durch die Zweifel gequält, ob die Gottheit seine Sünde wirklich vergeben und seine Busse angenommen hat. Wer kann darauf eine Antwort ohne je­den Zweifel geben? Wer kann das ihm versichern? 20 Vgl. Slachta, I., A penitenciatartás lélektani megvilágításban, 40-42. 21 Vgl. Slachta, I., A penitenciatartás lélektani megvilágításban, 46.

Next

/
Oldalképek
Tartalom