Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

82 Géza KUMINETZ Nach dem Zeugnis der Religionsgeschichte war es der Herr Jesus, der auf diese Frage eine Antwort gegeben hat, und zwar Er hat selbst seine Aposteln mit der Macht der Sündenvergebung und Sündenbe- haltung bevollmächtigt.22 Das bedeutet also die Lösung des oben er­wähnten Zweifels. Wem der Priester die Sünden in Seinem Namen vergibt, der kann sich beruhigen, dass seine Sünden vergeben und seine Busse angenommen werden. Die Priester der Naturreligionen nehmen an dem sogenannten hieratischen Priestertum teil. Diese Auf­gabe wurde für sie von einer menschlichen Autorität bestimmt, sie können darum eine Art natürliche Vergebung geben und übermitteln, die den nagenden Zweifel der oben erwähnten Seele nicht völlig auflö- sen kann. Dazu ist ausschliesslich das hierarchische Priestertum fähig, weil diese Menschen von Gott selbst mit dem Verrichten ihrer priester- lichen Aufgaben beauftragt worden sind. Über ein solches Priestertum verfügt die katholische Kirche (und die Kirchen, welche von der Leitung der katholischen Kirche so beurteilt werden). Diejenigen also, welche „die Busse nicht kennen, werden durch ihr ganzes System und durch die sich in ihr ausdrückende tiefe psycho­logische Kenntnis und erziehende Weisheit überrascht. Sie können es mit Staunen sehen, wie tief die Busse das Wirken und die Aufeinander- wirkung der Erkenntnis- und Annahmefähigkeit versteht, wie tief sie die Gesezte versteht, aufgrund deren die Seele neue Gewohnheiten gestalten und alte Leidenschaften unterdrücken kann und aufgrund deren der Wille in Handeln übergeht. Sie rechnet mit der Gebrochen­heit der menschlichen Natur, mit dem Einfluss der Umgebung und Vererbung sowie mit den speziellen persönlichen Eigenschaften. Sie versteht die Sehnsucht des Menschen nach Mitleid und im Besitz all dieser Kenntnisse schafft sie die Art und Weise der Busse, die am geeignetesten ist, den gestolperten und gebrochenen Menschen neu zu schaffen. Und über all dem hat sie die Bevollmächtigung, den Pöni­tenten zu versichern, dass er sein Ziel erlangt und die Sündenverge­bung erhalten hat. Und sie gibt Frieden".23 Die in katholischem Sinne 22 Die Beichte ist also die Institution der apostolischen Kirche. Vgl. Prohász- ka, O., A keresztény bűnbánat és bűnbocsánat (Prohászka Ottokár összegyűj­tött munkái II) [Die christliche Reue und Vergebung der Sünden (Gesam­melte Werke von Ottokár Prohászka II)], Budapest 1927.141. 23 Vgl. Slachta, I., A penitenciatartás lélektani megvilágításban, 48.

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