Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

RECHTLICHE, RELIGIONSPHILOSOPHISCHE ... 77 von Natur aus nach der Wiederherstellung der gestörten moralischen Ordnung durch Busse. Das Üben der Busse stärkt gleichzeitig auch den Charakter. Das heisst beides: der Charakter und die Busse wirken aufeinander gegenseitig.14 Das bezieht sich schon auch auf den natür­lichen Charakter, der eine instinktmässige Äusserung unserer geerbten Eigenschaften unter bestimmten Umständen und immer auf dieselbe Weise ist. (...) Obwohl der ausgearbeitete Charakter auf den natür­lichen Charakter gebaut wird, ist er jedoch unvergleichbar mehr als der natürliche. Voraussetzungen für den ausgearbeiteten Charakter sind die Bewusstheit, die Ehre und Liebe der ethischen Gesetze und das Befreitsein des Willens. Der moralische Charakter ist nichts ande­res als eine ständige Übereinstimmung unseres Verhaltens mit unseren Prinzipien. Daraus folgen mehrere Sachen: Erstens: nur ein vernünfti­ges Wesen kann Charakter haben, weil nur es zu solchen Taten fähig ist, deren Gesamtheit Verhalten genannt wird. Zweitens: Seine Richt­schnur können nur solche Gesetze bilden, die wir von einer von uns unabhängigen und über uns stehenden Autorität erhalten haben. Wenn wir oder ein uns ähnliches Wesen mit relativer und nicht abso­luter Vernunft und Macht die seine Grundlage bildenden Gesetze bes­timmt haben, ist auch das Gesetz, auf das sich die Prinzipien und so auch der Charakter bauen sollte, ein unsicherer Flugsand und ist auch der auf ihn gebaute Grundsatz und Charakter schwankend. Drittens: Trotz der geerbten Gegebenheiten, Neigungen und Temperatur des Menschen ist der Charakter letzten Endes eine Sache des Willens. (...) Der Wille ist der Schöpfer und Meister des Charakters".15 Hier sollen wir gleich bemerken, dass der Wille zur gleichen Zeit gerade ein ge­sundes Ideal braucht, sonst wird die Charakterausarbeitung und das Einswerden mit dem Ideal ein Torso ergeben. Während die Busse ist die verpflichtende Kraft des Ideals, des Schöpfers und der von Ihm ge­schaffene moralischen Ordnung zu finden. Daraus folgt, dass es trotz des Anscheins die Busse ist, das als eine spezifische religiöse Handlung am meisten einen der Hauptdarsteller der Charakterbildung nämlich die richtige Gesetzverehrung vertieft, die zusammen mit der Selbst­14 Vgl. Szentmärtoni, M., A személyi érettség felé, in Teológiai vázlatok, II [Auf dem Weg nach der Reife der Person; Theologische Skizzen II], Budapest 1983. 105-191. 15 Vgl. Slachta, I., A penitenciatartás lélektani megvilágításban, 27-30.

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