Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

78 Géza KUMINETZ kenntnis und ihrer immer besseren Anwendung die gesunde Urteils­kraft in uns formt. Die Busse macht unser Pflichtbewusstsein gleich­falls wach, es erwägt die Möglichkeiten der Leistung und stärkt die Freiheit unseres Willens.16 3. Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Formen der Busse und des Charakters In den einzelnen Religionen verläuft die Versöhnung als Befreiung vom Schuldgefühl und der Tilgung der Sünden auf je andere Art und Weise. Diese unterschiedlichen Übungen stimmen doch in vier Sachen grundlegend überein: „1) sie stammen aus der Erkenntnis von dersel­ben Wahrheit, 2) sie befriedigen dasselbe Bedürfnis der Seele, 3) sie wollen in erster Linie die Vergebung des Elerrn erhalten und 4) ihr weiteres Ziel ist es, den Menschen gegenüber den zukünftigen Verfällen zu stärken. Wenn diese Übereinstimmung auch besteht, ist bezüglich der zum Erreichen des Ziels angewandten Mittel und so bezüglich der Wirksamkeit ein grosser Unterschied. Vor allem ihre Wirkung für die Erziehung des Charakters ist sehr unterschiedlich".17 Die Busse beinhaltet hauptsächlich Genugtuungen, körperliche und seelische Selbstverleugnungen und Bussen, die den Willen stärken, ohne die es keine gesunde Selbstherrschaft gibt. Sie stärken zur gle­ichen Zeit auch das Klarsehen, mit dessen Hilfe wir die Sünde von der Tugend unterscheiden können, was den Widerstand gegenüber der Sünde beziehungsweise das Beharren auf der Tugend steigert. Bei den primitiven Völkern besteht die Genugtuung in erster Linie aus Busse und Entsagung, weil bei ihnen der Sinn für Moral in gewis­sem Sinne unentwickelt ist. Es kommt vor, dass das Ziel der Busse die Befreiung von den körperlichen Leiden oder die Sehnsucht nach der 16 Ähnlich ist das der Wahrheit, was uns eigentlich das Üben ausser der Kenntnis der Prinzipien der Religion gibt. Es formt in uns das richtige Wahrheitsgefühl und führt uns von der Fähigkeit der universellen Men­schenliebe zu deren Fertigkeit. Wenn jemand also auch nur das in kulti­schem Sinne genommene Üben seiner Religion verlässt, verliert früher oder später das richtige Üben der oben erwähnten Fähigkeiten sogar seine ge­sunde Urteils. 17 Vgl. Slachta, I., A penitenciatartás lélektani megvilágításban, 34.

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