Folia Theologica 22. (2011)

Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission

42 Mihály KRÁNITZ jeder von derselben Gnade Gottes abhängt. Alle geschichtlichen Situa­tionen innerhalb oder ausserhalb der Kirche sind schon im voraus, in seiner Gnade anwesend. Da Gott ernst und tatsächlich will, dass jeder Mensch gerettet und niemand verloren wird, nur ausser wenn aus seiner eigenen Schuld, deshalb ist jeder Mensch dazu bestimmt, sein Heil in seiner eigenen geschichtlichen Lage zu finden. In dieser Situa­tion bedeutet die „geschichtliche Lage" die spezifische persönliche und gesellschaftliche Umgebung des Menschen, der er sich nicht entziehen kann, und letzten Endes die Religion, die ihm die Gesellschaft bietet. Die Religion des Menschen ist die Religion eines gesellschaftlichen Wesens, nie eine individuelle und subjektive Handlung in einer rein inneren Privatsphäre, sondern immer eine in einer partiellen gesell­schaftlichen Körper ausgeübte Handlung, das heisst in der Form einer extra Religion, in einer konkreten religiösen Gesellschaft. Da jedoch Gott das universelle Heilsgeschichte des ganzen menschlichen Ge­schlechtes ernst und tatsächlich will, bis er alle Elemente (unter ihnen gibt es zahlreiche Irrtümer und Sünden) dieser Religionen (nicht ein­mal das Alte Bund war vollkommen!) annimmt, nimmt er diese Religio­nen so, wie sie sind, wie gesellschaftliche Strukturen. Diese sind, trotz­dem in verschiedenem Sinne und auf unterschiedlicher Stufe, doch „legitime Religionen".18 Ein menschliches Wesen soll in der Religion gerettet werden, in der es durch seine geschichtliche Lage bestimmt ist. Er hat das Recht und die Pflicht, Gott in der Religion zu suchen, in der ihn der verborgene Gott schon gefunden hat. Das dauert jedoch natür­lich nur bis an den Tag, bis er existenziell mit der Offenbarung on Jesus Christus konfrontiert wird. Die Religionen mit ihren Glaubens- und Kultformen, mit ihren Kategorien, Werten, Symbolen und Riten, mit ihren religiösen und ethischen Erfahrungen vertreten nur eine „rela­tive Gültigkeit", ein „relatives und vorsehenähnliches Recht zur Exis­tenz". Das sind die Wege zum Heil in der universellen Heilsgeschichte, das heisst die allgemeinen Wege des Heils, die normalen Wege des Heils vom Gesichtspunkt aus, von der das Heil in der Kirche sehr speziell und ausserordentlich zu sein scheint. Der Weg der Kirche ist auf diese Weise als der ausserordentliche Weg des Heils zu betrachten. Der 18 Vgl. Rahner, K., Das Christentum und die nichtchristlichen Religionen, in Schriften zur Theologie, V. Einsiedeln 1962. 136-158.

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