Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

150 Csaba TOROK turoptimismus vermeiden und sich der Notwendigkeit einer regeln­den Autorität bewusst sein. Im Sinne der Grundregel „in dieser Welt, aber nicht aus dieser Welt“ darf die Inkulturation nie eine normen- und grenzenlose Einmischung in die Kultur bedeuten. Wir könnten sagen, dass die ideale Lösung eine zweipolige wäre, die einerseits den Aspekt der Kulturtranszendenz des Glaubens, anderseits den Aspekt seiner kulturwandelnden und -stiftenden Kraft nie aus den Augen verliert. Im Prozess der Inkulturation stehen keine ebenbürtigen Partner im Dialog, sondern zwei Größen, die ihrem Wesen nach verschieden sind.47 Es wäre jeweils eine falsche Einstellung, mit diesem Argument die dialogischen Grundregeln auszuschalten und uns weiterhin an dem alten Modell (aktive Kirche, passive Kultur) zu orientieren. Wie kann man hier einen Ausweg finden? Die eine Schwierigkeit führt uns zur anderen und so weiter, so dass ein ganzer circulus vitio­sus von Problemen entstehen kann. Unserer Meinung nach muss man gleichzeitig zwei Richtungen einschlagen, wenn man die Frage der Inkulturation nicht nur als von der Wirklichkeit und Praxis losgelöstes Sprachspiel verwenden möchte: 1. Ernstnehmung; 2. Ergänzung. Der erste Punkt kann bei vielen die Frage wecken: Ist die Inkultura­tion nicht ernst genung genommen? Sind nicht Plünderte von Büchern in diesem Themenbereich bereits erschienen? Kommt der Begriff nicht ständig in lehramtlichen Veröffentlichungen vor? Gewiss, thematisch und theoretisch wird der Begriff sehr oft verwendet, doch kann man feststellen, dass das Paradigma einerseits von vielen Theologen akri- tisch angenommen wurde und andererseits die lehramtlichen Veröf­fentlichungen bedeutsame Problemkomplexe außer Sicht lassen und eine abstrakte Vorstellung widerspiegeln, deren Verwirklichungsmög­lichkeit fraglich bleibt. Deswegen hat die Ernstnehmung des Paradig­mas drei Dimensionen: 1. Man muss das ganze Paradigma gründlich, systematisch und mit Hilfe der modernen Kulturtheorien nochmals durchdenken, die kriti­schen Punkte bestimmen und praxisorientierte Antworten finden und Entscheidungen treffen. 2. Man muss die Inkulturation durchsetzen. Vieles wurde gesagt, noch mehr geschrieben, aber bis jetzt ist wenig gemacht. Einige Gebiete 47 Vgl. auch GS 10.

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