Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

INKULTURATION 143 len fundamentalen kulturellen Postula ten auf die Verhaltensmodelle) existieren.30 Aufgrund dieser Modelle werden die verschiedenen Untersysteme der Kultur (z. B. Sprache, Religion, Wirtschaft) aufgebaut und konsti­tuiert. Die Kultur als lebendiger Organismus muss diese Untersysteme nach den Regeln und Gesetzen ihrer vielseitigen Interaktion in Harmonie halten, und hat die gleiche Funktion wie die Grammatik in einer Sprache.31 Die Kultur bedeutet ein kohärentes System, in das der Einzelne, das menschliche Individuum integriert sein muss. Diese Integration32 ist keineswegs eine reine logische Notwendigkeit, son­dern vielmehr die Voraussetzung für das Gleichgewicht und die in­nere Solidarität der kulturellen Gemeinschaft. Wenn dieser harmonische Zustand der Kultur gestört wird, löst sich ein Selbstverteidigungsmechanismus aus, sei es, dass die Störung in­nerer Natur ist (durch ein Mitglied der Gruppe) oder äußerer (durch Fremde, eine andere Kultur, eine andere Religion). Dadurch wird die Identität und die kulturelle Sicherheit der Gruppe garantiert und die kulturelle Homophonie bewahrt.33 Die sich wehrende Kultur kämpft gegen die Kräfte, die ihr schaden könnten und diese unbewusste und spontane Reaktion führt sehr oft zu kultureller Intoleranz. Wenn wir behaupten, dass das Christentum die Fähigkeit hat, sich in jede einzelne Kultur einzuwurzeln, dann sollen wir uns fragen, wie weit diese „Einwurzelung" möglich ist. Von der Seite der Kirche her ist die Frage leicht zu beantworten, weil die Kirche - aufgrund ihrer Katholizität34 und aus dem Glauben stammenden Einheit, ihrer kultur­unabhängigen Identität - eine gewisse Offenheit gegenüber den Kultu­30 Hier wird das Problem des Zusammenhanges zwischen Theorie und Pra­xis, Überzeugung und Ethik, allgemeinen Normen und konkreten Gesetzen auf der Sprache der Kulturtheorie zum Ausdruck gebracht. 31 Hier soll man sich in Erinnerung rufen, was wir im ersten Kapitel unserer Arbeit über die Funktionalisten geschrieben haben. 32 Siehe Charles, P., Missiologie et Acculturation, in NRTh 75 (1953) 15-32, 21. 33 Siehe Md. 23-25. 34 Wie wichtig der Aspekt der Katholizität in der heutigen Globalisierung ist, wird in einem Artikel von F. Szabó ausgelegt: Szabó, F., Az Egyház a világ­méretű kultúrával és a globalizációval szemben, in Szabó, F., Keresztények az ezredfordulón. Válogatott tanulmányok, Budapest 2001. 388-390; vgl. Boka di Mpasi, L., Verso una cattolicità arcobaleno. Avanti, chiese della 11a ora (Mt 20,1-16), Roma 1998. França Miranda, M. de, Inculturazione della jede, 224— 229 („Una cattolicità dinamica").

Next

/
Oldalképek
Tartalom