Folia Theologica 22. (2011)
Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.
144 Csaba TOROK ren aufzeigen kann.35 Sie ist keine kulturelle Konstruktion, weswegen sie Elemente verschiedenster Kulturen gleichzeitig in ihr Leben und ihren Leib aufnehmen und integrieren kann. Im Fall der Kultur ist es aber nicht so. Jede Veränderung geht ihre Identität an. Wenn die Kirche vor hat, mit der Kultur nicht nur zu kommunizieren, sie nicht nur zu evangelisieren, sondern auch in sie einzutreten, sich in ihrem Boden sich einzuwurzeln, dann stehen wir vor großen Problemen. Die alte theologische Distinktion zwischen Ortho- doxia und Orthopraxis, Glaubenslehre und Glaubenspraxis36 kann für uns hilfreich sein. Sie steht nämlich in Analogie zur kulturtheoretischen Trennung zwischen den Bereichen Weltanschauung und Ethik.37 Auf der Ebene der Modelle kann man sagen, dass die Inkulturation im Bereich der Verhaltensmodelle gute Chance hat. Die Kirche als Kontrastgesellschaft38 kann solche Werte, Grundhaltungen und ethische Normen anbieten, die die konkrete Kultur freudig annimmt, ohne dass gleichzeitig ein Konflikt zwischen ihr und der Kirche stattfindet. Ein gutes Beispiel ist dafür die weltweit immer mehr anerkannte 35 Siehe Ratzinger, Comunicazione e cultura. Nuovi percorsi per Tevangelizza- zione nel terzo millennio, in Ratzinger, }., In cammino verso Gesù Cristo, Cini- sello Balsamo 2004. 35-43. 36 Zu einer praxisorientierten theologischen Auffassung dieses Themas siehe Heinrichs, J., Theorie welcher Praxis? Theorie-Praxis-Vermittlung als die Grundaufgabe Praktischer Theologie, in Bertsch, L., Theologie zwischen Theorie und Praxis, Frankfurt am Main 1975. 9-85. Bertsch, L., Die Rolle der Praktischen Theologie bei kirchlicher Entscheidungsfindung, in Bertsch, L., Theologie zwischen Theorie und Praxis, 179-230. 37 Über die Konfrontation zwischen Kultur und Glaube auf der theoretischen und der praktischen Ebene siehe Blanco, A. - Cirillo, A., Cultura & Teológia. La teológia come mediazione specißca tra fede e cultura (Manuali 9), Milano 2001. 51-58. 38 Dieser Ausdruck stammt von den Brüdern N. und G. Lohfink, siehe Lohfink, G., Braucht Gott die Kirche? Zur Theologie des Volkes Gottes, Freiburg im Breisgau 1998.2 Lohfink, G., Wie hat Jesus Gemeinde gewollt? Zur gesellschaftlichen Dimension des christlichen Glaubens, Freiburg im Breisgau 1982. 81f. Lohfink, N., „Option für die Armen". Das Leitwort der Befreiungstheologie im Lichte der Bibel, in StZ 203 (1985) 449-464. Lohfink, G. - Lohfink, N., „Kontrastgesellschaft". Eine Antwort an David Seeber, in Herder-Korrespondenz 38 (1984) 189-192; vgl. Fuellenbach, J., Church. Community for the Kingdom, Manila 2004.3 196-198.