Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

INKULTURATION 141 Formen der spirituellen Kultur galt. Andere sind zum Schluss gekom­men, dass die christliche Religion nichts anderes sei, als die höchst­mögliche Kulturreligion. Wir erinnern uns noch an die Aussage Til­lichs, die dieses Problem auf ganz extreme Weise gelöst hat: „Die Religion ist die Substanz der Kultur, die Kultur ist die Form der Religion/' Von der Seite der katholischen Theologie wurde diese Relation am treffendsten von A. A. Roest Crollius beschrieben, der meinte, die Transzendentalität des Menschen diene als Quelle der Kultur, aber in ihrem geschichtlichen Vollzug sei die Religion eine Teilfunktion der Kultur. „Religion und Kultur bestimmen einander gegenseitig und sind vielfältig miteinander verschränkt. "26 Aus den oben zitierten Meinungen ergibt sich unsere Schlussfolge­rung: Die Religion kann nicht nur ein Bestandteil der Kultur werden, sondern sie ist es ihrem Wesen nach. Die Kommunikationsfrage bleibt natürlich weiterhin offen. Wenn die Religion schon Bestandteil einer Kultur geworden ist, wie kann sie aus diesem Kontext herausgehend in eine andere Kultur eintreten? An dieser Stelle wollen wir unsere schon oben festgelegten Überlegungen nicht nochmals wiederholen. 5. Ad quintum Die Religion hat eine gewisse kulturstiftende Kraft. Aber was ge­schieht, wenn sie den von ihr gestifteten Kontext verlässt und in eine neue Kultur eingehen will, die von einer anderen Religion gestiftet und beeinflusst wurde? Kann man behaupten, dass jede Kultur der Menschheit Platz für die christliche Botschaft anzubieten hat? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Kulturtheorie zu Hilfe rufen. Jede Kultur stellt ein komplexes und sehr raffiniertes System dar. Wenn wir wissen möchten, ob das Christentum in diesem Aufbau einen Platz hat, dann müssen wir die Grundelemente der Kultur an­schauen, aus denen sie sich konstruiert. Jede Kultur bringt eine Weltanschauung, ein Lebensdesign, eine Verhaltensweise zum Ausdruck, die von „fundamentalen kulturellen 26 Roest Crollius, A.A., Kultur. II. Religions- und missionswissenschaftlich, in LThK3 VI. 515f, 515.

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