Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 265 und Schmerz hindurch gehen.52 Das ist als Kairos erlebte Zeit, weil der Hl.Geist der Wahrheit gleichzeitig auch der Hl.Geist der Liebe ist, der nicht nur mit der Heiligkeit Gottes konfrontiert, sondern auch von der Liebe Gottes überzeugt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hängt die in­nerlich erlebte „Länge" dieser mit physikalischer Zeit nicht messbaren Dauer davon ab, wie tief die Sünden des zu Läuternden, seine Un- geordnetheiten und seine Sündenreste in seiner Persönlichkeit Wur­zeln geschlagen haben, bzw. davon, wie intensiv die Erfahrung der Begegnung mit der läuternden Liebe Gottes für den zu Läuternden ist. Letzteres hängt aber auch davon ab, wie bereit der Mensch ist, die reinigende Liebe Gottes anzunehmen.53 6. Fürbitte für die Verstorbenen Die Möglichkeit und die Notwendigkeit des fürbittenden Gebetes für die Läuterung der Verstorbenen steht in der Bibelstelle 2 Makk 12,42-45. Die Kirche vollzieht dieses Fürbittgebet in der Liturgie, wie das auch die liturgischen Gebetstexte gut zeigen, die bis in die früh­esten Zeiten zurückgehen. Auch die Aussagen der Lehramtsautorität bestätigen die Möglichkeit, für die Verstorbenen zu beten, für sie die 52 Vgl. Johannes Paul II, Dominum et Vivificantem, nr. 39-41. 53 Die Qualität der Zeit, die ein Mensch erlebt, wenn er in die himmlische Herrlichkeit kommt, können wir als unverlierbaren und vollendeten Kairos des Lebens und der Liebe beschreiben. Die erlebte Dauer dieses Kairos wird von der Gegenwart bestimmt. Der Mensch, der am ewigen Leben Gottes, an seiner ewigen Gegenwart auf endgültige und geschöpfliche Weise teilhat, besitzt seine Vergangenheit makellos und in Einheit sowie die Gegenwart. In diese Gegenwart nimmt er auch das Leben seiner Mit­menschen mit seiner Fürsprache mit hinein, so wird seine Gegenwart gle­ichsam koexistent mit der inneren Zeit jedes Menschen. Diese Gegenwart ist vollendetes Leben, und ist doch zukünftig aus zwei Gesichtspunkten. Einerseits ist sie offen für die je vollere Aufnahme des immer gröäeren Gottes. Andererseits erwartet sie die Vollendung der Gemeinschaft der Heiligen und die Verherrlichung der gesamten geschaffenen Welt. Die Situation des Menschen, der Gott endgültig verliert, wird dadurch bes­timmt, dass Glaube, Hoffnung und Liebe fehlen, was der Zeitlichkeit des Jenseits die Qualität von Leere, Absurdität und Aussichtslosigkeit gibt. Man kann annehmen, dass dem eine innerlich erlebte Dauer entspricht, die keine Zukunft hat und deren Vergangenheit nicht in eine Einheit mit der Gegenwart gebracht werden kann.

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