Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
266 PUSKÁS, Attila Messe aufzuopfem und Opfer zu bringen. Es kann jedoch in uns die Frage aufkommen, was eigentlich der Sinn dieser Praxis ist. Wenn nach dem Tod noch Läuterung notwendig ist, damit jemand in die volle Lebensheiligung und so zur seligmachenden Gemeinschaft mit dem heiligen Gott gelangt, warum „mischen wir uns dann noch ein" in dieses zutiefst persönliche Geschehen? Wenn es das Ziel ist, dass der Verstorbene wirklich von allem gereinigt wird, was ihn von der Erlangung des Heils abhält, warum wollen wir dann diese Läuterung abkürzen oder überhaupt weglöschen? Oder worin besteht die Hilfe, die wir als Glieder der pügemden Kirche den Brüdern und Schwestern, die im Zustand der Läuterung sind, geben können? Wie können unser Gebet, das Aufopfem der Hl. Messe und unser freiwilliges Aufopfem auf deren Läuterung wirken? Der Papst antwortet auf diese Fragen in seinem Rundbrief damit, dass er sich auf die relational-dialogische Seinsweise des Menschen beruft, die wesentlich Inhalt der Gottebenbildlichkeit ist. Er formuliert: „Bei solchem Fragen sollten wir uns klarmachen, daß kein Mensch eine geschlossene Monade ist. Unsere Existenzen greifen ineinander, sind durch vielfältige Interaktionen miteinander verbunden. Keiner lebt allein. Keiner sündigt allein. Keiner wird allein gerettet. In mein Leben reicht immerfort das Leben anderer hinein: in dem, was ich denke, rede, tue, wirke. Und umgekehrt reicht mein Leben in dasjenige anderer hinein: im Bösen wie im Guten. So ist meine Bitte für den anderen nichts ihm Fremdes, nichts Äußerliches, auch nach dem Tode nicht. In der Verflochtenheit des Seins kann mein Dank an ihn, mein Gebet für ihn ein Stück seines Reinwerdens bedeuten" (Nr. 48). Die Formulierung der päpstlichen Enzyklika wiederholt in großen Zügen einen Grundgedanken des eschatologischen Buches Ratzingers. Seine anthropologischen Überlegungen lenken unsere Aufmerksamkeit darauf, dass der Mensch gleichzeitig eine Person ist, deren Freiheit nicht ersetzt werden kann, und dass aber auch seine persönliche Identität in Beziehung mit anderen entsteht. Der Mensch ist nicht ein in sich abgeschlossener „monos", sondern lebt immer in Beziehung mit anderen Personen; in seine persönliche Lebensgeschichte, sein Schicksal und seine Identität werden die anderen Menschen eingebaut: in ihnen, mit ihnen und durch sie kann er er selbst sein. Wie die anderen sich ihm gegenüber verhalten, und er sich anderen gegenüber, ob sie füreinander Sünde oder Gnade, Huch oder Segen, Hass oder Vergebung und umwandelnde Liebe vermitteln, all das wird für das jewei-