Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
258 PUSKÁS, Attila heit, Gefallsucht -, dann muss das offenbar werden und im Feuer des Gerichtes verschwinden, weil es wertlos ist und nicht wert, zu bleiben. So hängt das verzehrende Feuer des Gerichtes eng mit dem Feuer zusammen, das den Menschen läutert und der Befreiung dient. Die prüfende Aufdeckung der sündigen und unwürdigen Wurzeln der apostolischen Arbeit und deren Tilgung bringen für den Verkündiger eine schmerzliche Konfrontation und gleichzeitig Läuterung. Unser Gedankengang, der zugleich die alttestamentlichen Wurzeln und das christologisch Neue beim heiligen Paulus berücksichtigt hat, deutet die Reinigung als Teil der Begegnung mit dem richtenden Christus nach dem Tod. Unserer Meinung nach bietet 1 Kor 3,10-15 genügend Grund und Offenheit für die Lesart, wonach das Gericht Christi nicht nur als prüfendes und verzehrendes, sondern gleichzeitig als reinigendes Feuer aufgefasst wird. Im Zusammenhang mit dem gesamten Werk der Paulusbriefe ist es nicht auszuschließen, ja eher als begründet zu sehen, dass die Begegnung mit dem richtenden Christus nach dem Tod geschieht und als Teil davon bzw. als Ausfluss davon auch die Läuterung. Für diesen Prozess der Läuterung, der aus dem Gericht heraus kommt, oder anders gesagt für das Ereignis des läuternden Feuers ist allerdings das Maß der physikalischen Zeit nicht anwendbar. 5. Die Frage der Zeitlichkeit der Läuterung In der Enzyklika Spe salvi können wir über die zeitliche Natur der Läuterung nach dem Tod folgende kurze Bemerkung lesen: „Es ist klar, daß wir die "Dauer" dieses Umbrennens nicht mit Zeitmaßen unserer Weltzeit messen können. Der verwandelnde "Augenblick" dieser Begegnung entzieht sich irdischen Zeitmaßen - ist Zeit des Herzens, Zeit des "Übergangs" in die Gemeinschaft mit Gott im Leibe Christi" (Nr. 47). In diesem Kapitel wollen wir der Frage nachgehen, was in der Formulierung des Papstes der Ausdruck „Zeit des Herzens" meinen könnte, die sich irdischen Zeitmaßen entzieht. Aus dem Gesamt der Eschatologie des Theologen Ratzinger zeichnen sich die Hauptkonturen dieses Begriffes ab. Sicher ist, dass der Mensch mit dem Tod aus der irdischen Zeit heraustritt. Die Frage ist, ob er durch den Tod in die volle Zeitlosigkeit eintritt, oder ob mit dem Tod eine veränderte Seinsweise beginnt, die