Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 257 tet auch gleichzeitig, vor dem Richterstuhl Christi zu stehen, damit je­der nach seinen Verdiensten seinen Lohn erhalte (2 Kor 5,8-10). Das be­deutet, dass in der Auffassung des Paulus der Gedanke gegenwärtig ist, dass die richtende und in die Gemeinschaft mit ihm einladende Begegnung mit Christus bereits nach dem Tod des Individuums ge­schieht. Wenn das Gericht bereits nach dem Tod geschieht, dann tritt auch die reinigende Wirkung dieses Gerichtes nach dem Tod in Kraft. Wenn auch der heilige Paulus selber diesen Schluss nicht explizit aus­sagt, so entspringt er doch sinnvoll aus dem Gesamt seiner Lehre. Wenn derselbe Christus nach dem Tod und am letzten Tag richtet, rei­nigt das Feuer des Gerichtes bereits nach dem Tod. Ratzinger formu­liert das so: „Der Mensch streift zwar seine Zeitlichkeit nicht ab, um nur noch ,ewig' zu sein, aber Christus der Richter ist der ,Eschatos', und so läßt sich von ihm her nun doch nicht unterscheiden zwischen dem Richter des Letzten Tages und dem Richter nach dem Tode; das Hineintreten des Menschen in den Raum seiner offenbaren Wirklich­keit ist Hineintreten ins endgültige Geschick und damit Hineingehal­tenwerden ind eschatologische Feuer."45 In der Paulusstelle prüft das Feuer des Gerichtes direkt diese oder jene apostolischen Werte der Verkündigung, die auf Christus als Grund aufbauen, und verzehrt das, was von schlechter und nicht bleibender Qualität ist. Aber was bedeutet das, dass die apostolische Arbeit wertlos ist? Paulus spricht im nächsten Kapitel davon, dass es einen Unterschied zwischen der menschlichen und der göttlichen Beurteilung des Wertes des apostolischen Verkündigungsdienstes gibt. Er geht darauf hinaus, dass, während der Mensch das äußerlich Sichtbare nach Erfolg und weltlicher Weisheit beurteilt, Gott das In­nere, die Quelle der Arbeit beurteilt. „Der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten" (1 Kor 4,4-5). Aufgrund des Textes können wir daran denken, dass das Maß der Bewertung der apostolischen Arbeit vor Gott die Herzensabsicht des Verkündigers ist, die Reinheit seiner Motivation, der innere Geist. Wenn dieser innere Geist etwas enthält, was Gott nicht gebührt - Hochmut, Neid, Eifersucht, diesseitige Weis­45 Ratzinger, J., Eschatologie, 187.

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