Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
256 PUSKÁS, Attila ten Bösen bzw. ein Tag der Zerstörung sein wird; gleichzeitig wird aber dieses Gericht für einen Teil Israels, für den Rest Israels Reinigung und Entkommen bedeuten (Jes 4,2-4; Mal 3,2f; 3,19f; Zach 13,7-9). Bereits die vorexilischen Gerichtspropheten haben das Kommen des Tages des Herrn, das Ausgießen des Zornes Gottes und das Gericht mit der Symbolik des Feuers gezeichnet (Am 1,4-2,5). Diese Bildsprache drückte die verzehrende Kraft des Gerichtes Jahwes aus, das die Bosheit vernichtet und mit ihr zusammen auch die verfluchten Bösen selbst. Das Feuer ist auch Symbol für Gottes Heiligkeit und Offenbarung, Symbol eines Gottes, der „verzehrendes Feuer" ist (Deut 4,24; 6,15), weil er die Sünde nicht erträgt, sich ihr unerbittlich entgegenstellt und sie zerstört. In den nachexilischen prophetischen und apokalyptischen Texten ist nun zum Teil dieser Gedanke geblieben, dass das richtende Feuer des Tages des Herrn die Bösen und die widergöttli- chen Mächte zerstört (Jes 26,11; Dan 7,9-11). Gleichzeitig wird die richtende Funktion des Feuers durch die Läuterung erweitert: das Feuer des Gerichtes des Herrn reinigt den Rest Israels, die Söhne Levis, die im Grunde Jahwe treu sind, aber noch der Läuterung bedürfen, und macht sie vollkommen heilig, während es die verfluchten Bösen zerstört (Mal 3,2f; 3,19f; Sach 13,7-9). Die bildliche Darstellung der reinigenden Nähe des heiligen Gottes als Feuer mit reinigender Wirkung geschah bereits vor dem Exil (vgl. Jes 6). Die nachexilischen Texte wenden diese auf das reinigende Gericht am Tage des Herrn an. Diese Vorgeschichte und der Hintergrund des Alten Testamentes sind wichtig für eine entsprechende Deutung des Textes in 1 Kor 3,10-15.Wir können mit Recht annehmen, dass der Apostel Paulus, wenn er von einem Entkommen „wie durch Feuer hindurch" spricht, genau diese läuternde Funktion des Feuers des Gerichtes vor Augen hat, das sich auf die Christen bezieht, die auf Christus als ihrem Fundament aufbauen. Wahrscheinlich dachte der Apostel auf die bald erwartete Parusie Christi als letzten Tag des Gerichtes, wenn er vom „Tag des Herrn" spricht. Gleichzeitig aber relativiert der heilige Paulus den Zeitpunkt der Parusie und auch den Charakter des Endpunktes des Todes selber. Er sagt, dass das Erlangen der Gemeinschaft mit Christus bereits direkt nach dem Tod möglich ist: „ich möchte aufbrechen und mit Christus sein" (Phil 1,23).44 Beim Herrn nach dem Tode anzukommen, beinhal44 Diesen Glauben formuliert auch der Diakon Stephanus bei seiner Steinigung; „Herr Jesus, nimm meinen Geist zu dir!" Apg 7,59.