Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 255 durch Feuer hindurch". Ohne die Voraussetzung einer Läuterung blie­be die Bedeutung der Aussage im mythischen Finstern, dass der Mensch nur schwer und unter Drangsal entkommt.42 Dem können wir noch hinzufügen, dass die prüfend-vemichtende Funktion des Feuers des Gerichtes bereits in den nachexilischen pro­phetisch-apokalyptischen Texten durch die Läuterung ergänzt wurde, die sich auf die bezieht, die den heiligen Rest, den Gott getreuen Teil Israels gebildet haben. Die grundlegende Lehre des Alten Testamentes ist es, dass Gott ganz heilig ist, und wenn der sündige Mensch sich ihm nähern will, dann muss er gereinigt werden. Zu dieser Reinigung ist er aus eigenen Kräften nicht fähig, allein Gott selber kann ihn rein ma­chen. Er muss die Reinigung von Gott erbitten (Ps 51). Die Läuterung kann er von Gott gewinnen durch die kultischen Opferhandlungen (Lev 9) oder auch außerhalb davon (Zach 3). Immer ist Gott das han­delnde Subjekt, der Mensch hingegen ist Empfänger der vergebenden und reinigenden Tätigkeit Gottes. Der sündige Mensch, der aus einem sündigen Volk stammt und auch in seiner Person selbst sündig ist, wird zur prophetischen Sendung fähig, indem er die Nähe des heiligen Gottes erkennt, seine eigene Sündhaftigkeit bekennt und Gott ihn läu­tert (Jes 6). Die Grundbotschaft der prophetischen Verkündigung ist es, dass das Gericht Gottes über das untreue Israel vorübergehend ist und ihr Ziel ist der Aufruf zur Bekehrung. Da das auserwählte Volk aus eigener Kraft dazu nicht fähig ist, heiligt es der heilige Gott selber mit seinem eigenen Namen, indem Er Seinen Geist auf die Söhne Seines Volkes ausgießt und sie von innen reinigt (Ez 36,16-32; Jer 33,1-9). Dem Gericht und der Strafe folgt die Reinigung als Bedingung und Anfang, zum Heil zu gelangen.43 In der prophetischen Verkündigung wird eine noch engere Verbin­dung zwischen dem Gericht und der Läuterung festgestellt. Hier folgt die Läuterung nicht einfach einem bereits eingetretenen Gericht, son­dern ist wesentlicher Teil des zukünftig-eschatologischen Gerichtes selber. Dieser Gedanke wird in den prophetischen Texten, die nach dem Exil in der eschatologisch-apokalyptischen Strömung entstanden sind, formuliert. Diese sprechen vom eschatologischen Tag Jahwes, vom Tag des Gerichtes so, dass dies ein Tag der Strafe für die verfluch­42 Ratzinger, J., Eschatologie, 187. 43 Vgl. Gudrun Bohle, Die Frage der Läuterung im Alten Testament, Budapest 1998, vor allem 279-302.

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