Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
254 PUSKÁS, Attila sie nicht sehen, dass aus diesem Text eine kirchliche Lehre über das Purgatorium begründet werden kann.40 Andere Bibiiker sind bereit, anzunehmen, dass der Grundgedanke der Reinigung implizit im Paulustext formuliert ist.41 Die wesentlichsten Argumente der Gegner dieser Deutung sind folgende: (1) das prüfende Feuer ist Symbol der richtenden und sich selbst offenbarenden Majestät Gottes selbst und seiner unnahbaren Heiligkeit, es ist keine von Ihm zu unterscheidende Wirklichkeit, das Feuer ist der richtende Herr selbst; (2) es ist hier nicht die Rede von einem Ereignis nach dem Tod des Individuums oder von einem Zwischenzustand, sondern vom Tag des Herrn, an dem die es- chatologische Begegnung mit dem richtenden Herrn geschieht, wovon der Apostel Paulus glaubte, dass es noch in seinem eigenen Leben geschehen werde; (3) im Text steht nichts über die läuternde Wirkung des Feuers, sondern nur, dass es prüft und auf die Probe stellt, bzw. er spricht nur ganz allgemein davon, dass der Mensch durch Schwierigkeiten hindurch aus all seinen Übeln entkommt; (4) und schließlich sagt der Text auch nicht, dass die Sünden des Menschen oder was ihm zur persönlichen Heiligkeit noch fehlt, ein auf Christus aufgebautes Gebäude aus Holz, Heu oder Stroh sei, das das Feuer verzehrt. Diese Bildsprache drückt viel eher einen möglichen Qualitätsunterschied zwischen der apostolischen Arbeit der Verkündiger (Paulus, Apollos) aus, den dann das Gericht offenbar machen wird. Ratzinger macht uns darauf aufmerksam, dass, wenn wir im Text den naiv-sachlichen Begriff des Purgatoriums suchen, diesen freilich darin nicht finden werden. Wenn wir ihn allerdings vom „reinigenden Feuer" ausgehend in christologischer Perspektive denken, dann können wir berechtigt sagen, dass das prüfend-richtende Feuer Christus selber ist, die persönliche Begegnung mit ihm. Genau diese christologi- sche Sicht ist es, die im Vergleich mit der Auffassung des Fegefeuers des rabbinischen Judentums etwas Neues ist. Der Mensch wird nicht durch etwas gereinigt, sondern die wandelnde Kraft des auferstandenen Herrn durchdringt ihn und öffnet den Menschen, dessen Herz noch immer irgendwie verschlossen ist. Es stimmt zwar, dass im Text nicht „reinigend" steht, aber nach Ratzinger ist dies die befriedigendste Erklärung für die Deutung einer Befreiung „des Menschen wie 40 So zum Beispiel: J. Gnilka, J. Murphy-O'Connor, S. Cipriani. 41 Haag, H., Biblisches Lexikon, Budapest 1989,1829; Jeremias, J., Th WNT1,625, 24f.