Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 253 gen, deren Bau das Feuer der Leiden verzehrt, das heißt, sie erleben vorübergehende Leiden. Das kann nach dem Tod geschehen, oder teil­weise im irdischen Leben, teilweise im Jenseits, oder nur auf Erden, damit es im Jenseits nicht mehr nötig ist.39 Zusammenfassend können wir sagen, dass nach Augustinus die reinigenden Leiden nach dem Tod, die Strafe oder das reinigende Feuer von den folgenden Zeichen charakterisiert wird: es sind verhält­nismäßig wenig Menschen, die an dieser Art von Läuterung teilhaben; es übertrifft die irdischen Leiden; es spielt sich ab zwischen dem indi­viduellen Tod und dem Endgericht; es ist vorübergehend und nicht ewig. Augustinus legt nicht genau fest, welche Sünder in diesen Zu­stand gelangen, er sagt nur, dass „sie nicht ganz gut, und nicht ganz schlecht sind". 4.3 Die Deutung von 1 Kor 3,10-15 in der Eschatologie von Ratzinger Mehrere Kirchenväter und auch einige lehramtliche Äußerungen erklären den Paulustext im Sinne der Reinigung nach dem Tod. Die meisten heutigen Exegeten verwerfen eindeutig diese Meinung, weil 39 De civ. Dei XXI, 26,4; 21,13. Später hat in der Entwicklung der Lehre vom Reinigungsfeuer in der westlichen Theologie Papst Gregor der Große (540- 604) eine bedeutende Rolle gespielt. Im IV. Buch der Dialoge deutet er den Text von 1 Kor 3,10-15 so, dass wir glauben müssen, dass es nach dem Tod irgendein reinigendes Feuer gibt. Er identifiziert das Heu, Stroh und Holz in der paulinischen Perikope mit den kleinen Sünden (z.B. Geschwätz, Liebe des irdischen Vermögens); diese verbrennen im Feuer des Gerichtes. Indem er die Bildwelt der Bibelstelle ergänzt, spricht er davon, dass dieses Feuer ein Gebäude aus Eisen, Erz oder Blei, das heißt schwere Sünden nicht verzehrt. Diese erlangen also keine Vergebung. Vgl. Daley, B., Eschatologie, in HDGTV/7a 248. Julian von Toledo schreibt im Anschluss an Augustinus in seinem Werk Prognosticon futuri saeculi, das das erste systematische es- chatologische Werk ist, dass die Kirche für diejenigen Verstorbenen betet, die kleinere Sünden begangen haben, die nicht ohne Fehler gelebt haben und die nicht der Verfluchung wert sind. Sie sühnen durch heüende Stra­fen. Er deutet 1 Kor 3,12-25 so, dass das Feuer dort von reinigender Wir­kung ist, vorübergehend, im Zwischenzustand zwischen Tod und letztem Gericht seine Wirkung ausübt, dass es verschiedene Grade und jeweils ver­schiedene Dauer kennt. Die wichtigsten Elemente der Lehre über das Pur­gatorium finden wir hier bereits beieinander.

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