Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
252 PUSKÁS, Attila hat, wenn er diese verliert und mit ihnen zusammen auch die irdischen Freuden.35 Das prüfende Feuer verbrennt Stroh und Heu und das Brennholz, das heißt die geordneten Freuden, die den Geschöpfen gegeben sind, die Traurigkeit, die aus deren Verlust kommt, so wird der gläubige Mensch, der sich auf die Lehre Christi selber stützt und baut, gerettet. Diese Traurigkeit berührt jene nicht als Strafe, die ihr Leben so auf das Fundament Christi gebaut haben, dass sie alleine danach suchten, was Gott gefällt, und nur von ihm ihren Lohn erwarteten. Sie sind diejenigen, die mit Gold und Silber auf Christus gebaut haben, und ihre Werke wird das prüfende Feuer nicht verzehren. Augustinus zieht daraus den Schluss: „Es scheint mir, dass das Feuer so beschrieben werden kann, dass es niemanden verurteilt, sondern die einen bereichert, andere bestraft, und beide auf die Probe stellt."36 Aber nicht nur die Traurigkeit, die aus dem Verlust der Geschöpfe, die Freude bereiten, kommt, kann reinigendes Feuer sein, sondern auch die Verfolgungen, die Leiden und auch der physische Tod selbst.37 Dieser Gedanke, wonach das reinigende Feuer schon hier auf Erden in gewissem Sinn beginnt, erscheint auch in anderen Werken von Augustinus. Das irdische Leben ist nicht nur die Zeit, sich Verdienste zu erwerben, sondern es kann auch im Erleiden von Plagen und Elend irgendwie zum Schauplatz eines reinigenden Feuers werden. Freilich sind diese Strafen nur für die reinigend (poenas purgatorias), bei denen die Leiden zur Einsicht ihrer Fehler und zur Besserung führen. Gleichzeitig grenzt der Bischof von Hyppo diese sühnende Läuterung nicht auf das irdische Leben ein, sondern nimmt den Gedanken an, dass dies auch nach dem Tod weiter gehen kann. In seinem Kommentar zum 37.Psalm bittet er Gott, dass er ihn im irdischen Leben erleuchte, damit er nicht nach dem Tod durch das „korrigierende Feuer" sühnen muss. Im Hintergrund dieses Gedankens steht die Überzeugung des Augustinus, dass „dieses Feuer schwerer sein wird als jegliches Leiden hier auf Erden".38 In De civitate Dei hält Augustinus wahrscheinlich die Überzeugung für richtig, dass es solche Verstorbene gibt, deren Seele in der Zeit zwischen dem Tod und dem letzten Gericht ein vorübergehendes Feuer von Leiden erleidet. Sie sind diejeni35 De civ. Dei XXI, 26,2. 36 Ebd. XXI, 26,3. 37 Ebd. XXI, 26,4. 38 Enarr. In Ps. 37,3.