Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 241 ewige Heil ist Geschenk Gottes, aber es verlangt vom Menschen volle moralische Anstrengung. Die katholische Theologie macht einen Unterschied zwischen schwerer bzw. Todsünde und lässlicher bzw. geringer Sünde. Nach der Lehre des tridentinischen Konzils verliert man durch die schwere Sünde die Rechtfertigung, also den Zustand der heiligenden Gnade; um diesen wieder zu erlangen, ist die Teilnahme am Sakrament der Buße notwendig. Die lässlichen Sünden sind mit dem Zustand der heiligmachenden Gnade vereinbar, und für die Befreiung von ihnen sind Werke der Barmherzigkeit, das Wecken der Reue und individuelles Gebet ausreichend. Wenn jemand im Zustand der heiligmachenden Gnade, aber mit einer lässlichen Sünde in der Seele stirbt, muss er davon auch nach dem Tod geläutert werden, damit er in die volle Gemeinschaft mit dem heiligen Gott kommen kann. Nach katholischer Lehre löscht die Taufe, die Rechtfertigung gibt, die zur Sünde führende Neigung (concupiscentia) nicht, sondern gibt Kraft, dass der Christ erfolgreich dagegen kämpft. Dieser Kampf dauert ein Leben lang. Ziel davon ist, dass der Mensch in einer Beziehung mit sich selbst und den Geschöpfen lebe, die Gottes Willen entspricht, und dass sich in ihm selbst und auch in seinem Beziehungssystem eine Gott gefällige Ordnung verwirkliche. Wenn der Mensch in seinem irdischen Leben mit dieser mühevollen Arbeit nicht fertig wird, wenn die Gottes- und Nächstenliebe, sowie eine rechte Selbstliebe noch nicht sein ganzes Wesen durchdringen, dann braucht es hier noch Läuterung nach dem Tod. So muss man nicht nur von den ungeordneten Wünschen geläutert werden, sondern auch von den Resten der Sünde. Die persönlichen Sünden verzerren und verletzen die Seele, und das bleibt oft auch nach der Vergebung, wir können davon nur durch Gottes Gnade, durch Genugtuung oder durch Läuterung geheilt werden (DH 1690, 1696). Es gibt auch die Meinung, die die Reste der Sünde für „eine gewisse geistliche Schwäche" hält,18 die von den begangenen Sünden hervorgerufen wird. Es ist Gleichgültigkeit und Lauheit dem Guten gegenüber, die ebenfalls der Läuterung und der Heilung bedarf - hier auf Erden oder nach dem Tod.19 18 „quaedam spiritualis debilitas": STh Suppl. Q. 30; a.l, ad 2. 19 Radó, P., Enchiridion Liturgicum, II, Rom 1961, 931.