Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
240 PUSKÁS, Attila deswegen diese Strafen auf, damit es die Seele reinige, die Heiligkeit der moralischen Ordnung schütze und die Herrlichkeit Gottes in voller Würde wiederherstelle. Denn jede Sünde stört jene universale Ordnung, die Gottes unaussprechbare Weisheit und seine unendliche Liebe beschlossen hat; und jede Sünde verdirbt die so großen Güter sowohl aus dem Gesichtspunkt der sündigen Person, als auch aus dem Gesichtspunkt der menschlichen Gesellschaft" - formuliert Papst Paul VI in der apostolischen Konstitution Indulgentiarum doctrina,17 Der Text formuliert im Grunde in der Sicht der scholastischen Theologie aufgrund des Prinzips der engen Einheit von göttlicher Gerechtigkeit und Barmherzigkeit das dreifache Ziel der zeitlichen Strafen. Er stellt an die erste Stelle die Läuterung des Sünders selber, die vor allem das Werk der göttlichen Barmherzigkeit ist. Sie ist Möglichkeit und Hilfestellung dazu, dass der Mensch, der Vergebung erlangt hat, zur Heiligkeit und so in die Gemeinschaft mit dem heiligen Gott gelangt. Die zeitlichen läuternden Strafen stellen gleichzeitig auch das Werk der göttlichen Gerechtigkeit dar. Jede Sünde stellt in ihrer Wurzel irgendwie die Göttlichkeit Gottes in Frage, weil der Sünder nicht im Rahmen der von Gott in der Schöpfung gegebenen und gewünschten rechten Beziehung mit den Geschöpfen umgeht. Das ungeordnete Verhältnis zu den Geschöpfen offenbart eine Verzerrung der Beziehung mit Gott. Der sündige Mensch lebt in der Lüge, und nicht entsprechend der wahren und rechten Ordnung der Schöpfung. Die Strafen konfrontieren ihn mit diesem ordnungswidrigen und lügenhaften Zustand. In Wahrheit sind das keine Strafen, die von außen auf ihn kommen, sondern wie Thomas von Aquin es formuliert: „die Ordnung selber wird den Sündiger demütigen, und das nennen wir Strafe" (STh I-II, 87,1). Auf diese Art und Weise lenken die zeitlichen Strafen, und damit auch die Läuterungen nach dem Tod die Aufmerksamkeit auf den Ernst und das Gewicht der Sünde. Sie weisen auf die Tatsache hin, dass eine wirkliche innere Wandlung und Läuterung unumgänglich sind dafür, dass der Mensch in der Gemeinschaft mit dem heiligen Gott vollkommen wird. Wenn jemand vielleicht auf Erden diese Läuterung, die das ganze Wesen durchdringt und einen ganz in Anspruch nimmt, noch vertuschen kann, nach dem Tod kann er sie sich nicht mehr ersparen. Das 17 Paul VI., Indulgentiarum doctrina (apostolische Konstitution 1967.1.1.: AAS 59 /1967/ 5-24), Nr. 2.