Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 225 und Linderung für sie zu erbitten.8 Der persönliche Glaube des heiligen Augustinus an die Läuterung nach dem Tod ist im Werk Bekenntnisse formuliert, nämlich in dem Gebet, wo er für seine verstorbene Mutter, die heilige Monika, bittet.9 Augustinus weiß, dass seine Mutter lebt und dass ihr Schicksal in der Hand des barmherzigen Gottes ist. Er beruft sich darauf, dass Monika in der Taufe neu geboren wurde, dass sie ein gläubiges christliches Leben gelebt, die Gebote gehalten und für die Menschen Gutes getan hat und sich regelmäßig mit dem eucharistischen Leib des Herrn genährt hat. Sie braucht dennoch das Erbarmen Gottes, unsere fürbittenden Gebete und vor allem das Messopfer, das für sie am Altar aufgopfert wird, weil die Fehler, die sie aus Schwäche begangen hat, ihr Kommen in die Herrlichkeit verhindern könnten. Augustinus bekennt entschieden, dass die verstorbenen Christen nicht von der Kirche getrennt sind, denn sonst würden wir ihrer nicht in der Gemeinschaft des Leibes Christi gedenken. Das Gebet der Lebenden und vor allem die Heilige Messe sind Hilfe für sie. Auf die Frage, wem diese Hilfe nützt, kristallisierte sich im Westen nach der Auffassung des Augustinus langsam die Antwort heraus, dass die Fürsprache der pilgernden Kirche den Verstorbenen nützt, die nach dem Tod im Zustand der Läuterung sind, also denen, „die nicht ganz gut und nicht ganz schlecht sind". Die irdische Kirche hilft, dass sie gereinigt werden und umso eher zu ihrem Heil gelangen. Diese Hilfe setzt also eine Reinigung voraus, die sofort nach dem Tod beginnt, da die ganz Guten diese Unterstützung nicht brauchen und 8 Vgl. De corona, 3; De monog. 10: Pro anima eius orat et refrigerium interim ad- postulat ei et... offert annuis diebus dormitionis suae. Bei Tertullian (ca. 160- 220), der wahrscheinlich die Leidensgeschichte der hl. Perpetua schriftlich festgehalten hat, finden wir bereits ausdrücklich den Gedanken der Läuterung nach dem Tod. Nach diesem afrikanischen Theologen bleiben die Seelen bis zum Letzten Gericht in der Unterwelt - außer den Seelen der Märtyrer, die direkt nach dem Tod in die Freude der himmlischen Herrlichkeit gelangen. Die Seelen im Hades sühnen mit ihren Leiden für ihre Sünden. In seinem Werk über Die Seele beschreibt Tertullian diesen Läuterungszustand in der Unterwelt mit Verweis auf Mt 5,26 als Gefängnis von Schuldnern, woraus die Seele nicht frei kommt, solange die Schuld nicht bis zum letzten Pfennig ausgelöscht ist. Es war schon deswegen leicht, dieses Gleichnisbild auf die Unterwelt anzuwenden, weil das griechische Wort „phülaké" für Gefängnis damals auch Hades bedeutete. Vgl. Ratzinger, J., Eschatologie, 182. 9 Bekenntnisse, IX, 13, 34-37.