Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
226 PUSKÁS, Attila sie denen, die in ihrer Bosheit für die Verdammnis bestimmt sind, nichts nützt. Die Tradition der Ostkirche hat ähnlich wie die der westlichen von Anfang an das Gebet und die Liturgie für die Verstorbenen gepflegt und sagt, dass dies notwendig und nützlich für die Verstorbenen ist. Von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass alle alten Liturgien im Osten Fürbitten für die Verstorbenen kennen.10 Die Ostkirche bekennt, dass die Heiligen für die Brüder und Schwestern auf der Erde eintreten und dass ihre Fürbitte erbeten werden kann; die auf Erden Lebenden ihrerseits können „Erfrischung und Linderung" gewinnen für die Seelen im Hades durch die Eucharistie, das Gebet und Almosen. In der Gemeinschaft des Leibes Christi gehören alle Glieder der Kirche, die Lebenden wie die Verstorbenen, zusammen, und sie bilden durch Liebe und gegenseitige Sorge eine Einheit. Diese unzertrennliche Gemeinschaft der Heiligen kann auch der Tod nicht zerstören. Wie der orthodoxe Theologe Meyendorff formuliert: „Der Leib Christi, den der Geist zusammenhält, umfasst bis zur „Letzten Wiederkunft" die Lebenden und auch die Verstorbenen. Dies wird in der Liturgie symbolisiert durch die Brotteilchen, die man auf die Patene legt und die an die in Christus Verstorbenen erinnern, sowie auch an die, die noch irdische Mitglieder der sichtbaren christlichen Gemeinschaft sind, und so werden sie vereint in der einen eucharistischen Gemeinschaft."11 Da die östliche Theologie daran festhielt, die Reinigung an das Letzte Gericht zu binden, blieb es bei den griechischen Theologen einigermaßen unklar, in welchem Zustand die Verstorbenen sich zwischen dem Tod und dem Letzten Gericht befinden. Im Allgemeinen dachten sie, dass in dieser Zwischenphase irgendwie eine Vorwegnahme des endgültigen Schicksals geschehe, das dann beim Letzten Gericht entschieden wird, aber in geringerer Intensität. Damit im Zusammenhang dachten sie, dass in diesem Zwischenzustand allen Verstorbenen die Fürbitte der Kirche in irgendeiner Form nütze: den ganz Guten bringt es vorweggenommene Freude, den zur Verdammnis bestimmten ganz 10 Didaskalia Apostolorum 6,22,2; Constitutiones Apostolorum 8,41; Die Liturgie des hl. Basileus des Großen und des hl. Chrysostomus, der Nestorianer und der Monophysiten. Vgl. Premm, M., Katholische Glaubenskunde. Ein Lehrbuch der Dogmatik IV, Wien 1953, 606. 11 Meyendorff, J., A bizánci teológia (Byzantine Theology. Historical Trends and Doctrinal Themes, New York 1974), Budapest 2006, 337.