Folia Theologica 18. (2007)
Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven
SYNERGETISCHE HERMENEUTIK 93 sich mit vergangenen und diese Überlappung wird auch „irgendwie" „erkannt"27. Zur Verdeutlichung synergetischer Basiseffekte dient auch die Theorie der neuronalen Gruppenselektion (TNGS)28: basierend auf den banalen Befunden einer unetikettierten Umwelt, der neuronalen Vielfalt und der sich immer wieder wundersam einstellenden synchronen und diachronen Resonanz wird ein „Instruktionsmodell" abgelehnt, das von einer zentralen Instanz ausgeht. Es wird durch ein selektioni- stisch-adaptives Modell substituiert. „Entscheidungen entstehen im Gehirn als Resultat von Selbstorganisationsprozessen, wobei Kompeti- tion zwischen unterschiedlich wahrscheinlichen Gruppierungszuordnungen die treibende Kraft und kohärente Systemzustände die Konvergenzpunkte der Entscheidungstrajektorien darstellen."29 Kompeti- tion, Kohärenz und Korrelation sind die entscheidenden selektiven Mechanismen zwecks optimaler Adaptation des Gehirns an seine Umwelt durch eine möglichst umfangreiche Bündelung von Informationen30: die Bedingung der Möglichkeit hierfür ist die strukturelle und dynamische Variabilität und Plastizität des Gehirns, d.h. eine hinreichende Komplexität, wobei unter Komplexität die Quantität der Einzelelemente, ihre Spezifizierung sowie ihr Integrationsgrad verstanden wird (als Abbildung des qualitativen Aspektes der Komplexität).31 Diese Wirkprinzipien - wenn der Ausdruck in unserem Kontext über27 An diesem Punkt klafft in der Tat eine Erklärungslücke in der isoliert neuronalen Deskriptionsebene. Daher sind komplementär zur eher sequentiell-determinativen (doch bei strengem Hinsehen doch synergetisch-dispositiven) Interpretation weitere Deskriptionsebenen legitim (so SINGER), die dann konsequenterweise potentiell eigenständigen Levels zugeordnet werden können - sonst wären solche Beschreibungsebenen sinnlos und ohne objektivierbare Inhalte. Die Rede ist von der mentalen Beschreib- barkeit neuronal korrelierter Erregungsmuster, um etwa das inhaltsleer-formale Erfassungsschema auf neuronaler Ebene (jeder Input wird in dieselben elektrochemischen Signale transformiert) mit einem Inhalt zu füllen, um dadurch die bekannte Qualia-These durch ein ihr zugeordnetes objektives mentales Korrelat zu untermauern. 28 Siehe EDELMAN (Anm. ), 194-204 29 SINGER (Anm. ), 63 30 Und das nicht nur bezogen auf die Synergetik neuronaler Prozesse, sondern als mathematisch formalisierbares Grundmuster: GÜßMANN, M., Selbstorganisation zwischen Mannigfaltigkeiten euklidischer und nichteuklidischer Geometrie durch Kooperation und Kompetition (elektronische Ressource), 2006. 31 Vgl. EDELMAN (Anm. ), 221-224