Folia Theologica 18. (2007)

István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar

32 I. ANCSIN und nicht weniger als um den Gewinn oder Verlust des ewigen Le­bens für den leib-seelischen Menschen. Balthasars Fazit gegen eine rein horizontale Zukunftshoffnung lautet: „Hier, in dieser Vertika- lität und Präsentialität liegen die letzten Dinge, liegt das Endspiel, und nicht bei einer in horizontaler Zukunft liegenden Endzeit."65 Dasselbe in Péguys Formulierung: ,,[I]n der Horizontalität als sol­cher schreitet die Menschheit immer wieder in ihren schon ein- und abgetretenen Spuren, aber die théologale Hoffnung, und sie al­lein, verwandelt dies Einerlei in ein je-jetzt erstmalig Neues. Irdi­sches Futur ist in ein aus Gnade geschenktes je-neues Jetzt einge­borgen."66 Mit dem Gesagten ist über die Hoffnung noch nicht das Letzte gesagt worden. Soll die Hoffnung Gottes und des Menschen das Heil ohne Ausnahme und Ausgrenzung für alle bereithalten, dann stellt sich unausweichlich die Frage nach der Möglichkeit der Aller­lösung, die uns im nächsten Abschnitt beschäftigen wird. 2. Apokatastasis - aufgezwungenes Heil für Alle? a) Stellvertretung als Grundlage der Apokatastasis Es ist nicht verwunderlich, daß in Balthasars theodramatischem Konzept, in dem der Freiheit eine entscheidende Rolle zugeschrie­ben ist, die Frage der Apokatastasis67 ebenso zentralen Stellenwert hat. Die Problematik der Allversöhnung ist letztendlich nicht ande­res als die Problematik der Freiheit des Schöpfers und des Ge­schöpfs im einzelnen und in ihrer Beziehung. Die Apokatasta- sis-Frage ist auch für eine theologische Anthropologie von wichti­ger Bedeutung, weil dadurch eben die im vorigen Abschnitt behan­delte Hoffnung als das Menschen tragende Grundprinzip noch ein­mal neu qualifiziert werden kann. Es wird versucht, auf die dort ge­65 TD IV, 166. 66 TD IV, 166. 67 Den Ausdruck Apokatastasis finden wir in der Bibel nur einmal (Apg 3, 21), und zwar in der Tempelpredigt des Petrus, der den Juden erklärt, daß Gott ih­nen, wenn sie Buße tun, den ihnen vorherbestimmten Messias Jesus senden wird, den der Himmel aufnehmen muß bis zu den Zeiten der Wiederherstel­lung aller Dinge (apokatastasis pánton), wovon Gott durch seine Propheten gesprochen hat.

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