Folia Theologica 18. (2007)
István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar
DIE HOFFNUNG AUF DAS HEIL BEI H. U. V. BALTFIASAR 29 Hoffnung werden. Demnach richtet sich theologische Hoffnung „nicht auf einen von den Christen einzulösenden ,Überhang' altte- stamentlicher Zukunftshoffnungen auf weltliche Wohlfahrt"50. In diesem Fall würde man sie nämlich vom Kreuz loslösen. Nach Balthasar bleibt der „alttestamentliche Horizontalismus der Heilsverheißung [...] Vorausbild auf das in Christus erfolgende eschatologi- sche und vertikale Heil. [...] Eine gegenteilige Auffassung führt notwendig zu irgendeiner Form von religiösem oder marxistisch-säku- larisiertem Chiliasmus."51 Als gemeinsame Merkmale der Hoffnung, sowohl im vorchristlichen wie im nachchristlichen Raum, erwähnt Balthasar die synonymen Begriffe des Wartens, Erharrens und der Geduld. Aber hinter der Gemeinsamkeit verbirgt sich doch etwas ganz Verschiedenes: Für den alttestamentlichen Glauben war das Unglück eine Bestätigung des Schuldig-Seins vor Gott, für den christlichen Glaube ist es hingegen vielmehr das Zeichen des Schreitens - in der Nachfolge des Herrn.52 Das will aber nicht heißen, daß für den Christen die Welt für das Leiden bestimmt ist; ein solcher Fatalismus würde nämlich das Gesagte über die sozialen Aspekte der Hoffnung gewichtslos machen. Ein Akzent soll hier mit Balthasar noch betont werden: der vorher erwähnte Aspekt der Nachfolge hat eine ihn tragende Grundlage: den Sendenden und als dessen Geschenk die Sendung. Diese Sendung bedeutet für den Gesandten Auftrag und Verantwortung: den geschenkten Auftrag zu übernehmen und ihn mit eigener Verantwortung zu tragen. So kann Gegenstand christlicher Hoffnung nicht bloß die jenseitige visio beatifica sein, sondern die Heimkehr der Welt in Gott, an der der Christ mit der Gnade Gottes verantwortlich mitzuarbeiten hat. Werner Löser merkt an, daß „alles Zugehen auf eine geschichtliche Zukunft [...] nur von untergeordneter Bedeutung ist", weil die Welt „nirgends anders [...] als im trinitarischen Leben Gottes"53 geortet sein kann. „Dies nicht genügend beachtet zu haben, macht die Grenzen der Hoffnungstheologien sowohl Teilhard de Chardins als 50 TD IV, 156. 51 TD IV, 156. 52 Vgl. TD IV, 156-157. 53 LÖSER, W.: Rezension zur Theodramatik. Bd. IV: Das Endspiel, 609.