Folia Theologica 18. (2007)
István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar
30 I. ANCSIN auch Jürgen Moltmanns aus"54. Wenn wir weiterhin Balthasars Hoffnungstheologie mit der Teilhards und Moltmanns vergleichen, können wir feststellen, daß sie mit der viel stärkeren Betonung des sozialen Aspekts der Hoffnung zwischen der Inkarnations- (Teilhard) und Kreuzestheologie (Moltmann) eine Lücke ausfüllt und damit eine Synthese ermöglicht. d) Hoffnung Gottes Der Titel dieses Abschnitts (Hoffnung Gottes) mag zunächst verblüffend und verwirrend scheinen. Wenn Hoffnung der Realitätsbedarf des „Noch-Nicht" ist, was für eine Hoffnung kann dann ein solcher Gott gebrauchen, der allmächtig und allwissend ist? Die Frage ist zwar etwas provokativ, aber vielleicht doch nicht ganz unberechtigt. Balthasar meint, daß die Frage nach der Hoffnung Gottes nur von einem „trinitarischen Grundansatz her Beantwortung finden kann"55. Er fragt, ob die „trinitarisch-immanente Über-Hoff- nung in Gott nicht auch eine ökonomische Seite zeigen" sollte und ob der Vater und der Geist nicht eine Art Hoffnung „auf das Gelingen der Sendung des Sohnes" haben könnten und ob Gott, der „den Menschen mit einer so prekären Freiheit ausgestattet hat", nicht hoffen könnte, daß „dieser Mensch [...] durch das Werk des Sohnes hindurch, dem er sich aber doch verweigern könnte, sich retten wird?"56 Balthasar geht auf dem Weg Charles Péguys57, um die aufgeworfenen Fragen aus dem Neuen Testament zu beantworten. Péguys Entwurf bricht mit einer erstarrten Gotteslehre (in der Gottes Vorauswissen und Voraussehen und damit seine Allmacht unter allen Umständen unantastbar bleibt), um die Hoffnung in die innerste Mitte Gottes einzuführen. Damit wird der Hoffende von einem ein54 LÖSER, W.: Rezension zur Theodramatik. Bd. IV: Das Endspiel, 609. 55 TD IV, 160. Daß Hoffnung eine theologische, aus dem trinitarischen Leben Gottes stammende Tugend ist, formuliert Balthasar folgendermaßen: “Der ganze Ausstand des Noch-nicht der erfüllten Schau [ist] als solcher göttlich, trinitarisch unterfaßt: der Geist ,seufzt unaussprechlich' in den Hoffenden dem Vater entgegen, damit die Erlösung des Sohnes sich in der Welt vollende.“ TD IV, 127. 56 TD IV, 160-161. 57 Balthasar stützt sich hier auf die Analyse des von ihm übertragenen Werks Péguys: Das Tor zum Geheimnis der Hoffnung, Einsiedeln 1980.