Folia Theologica 18. (2007)

István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar

28 I. ANCSIN c) Die Einbergung des Horizontalen in der Hoffnungsgestalt Balthasars Bevor Balthasar seine eigene Hoffnungsgestalt profiliert, geht er, wie so oft, zur Scholastik als lebendiger Quelle zurück. In der Fra­ge, wie christliche Hoffnung und irdische Zukunft der Welt sich zu­einander verhalten, geht die Scholastik von einer Unterscheidung aus: Einerseits wird Hoffnung als „menschliche Möglichkeit" („passio animae, die durchaus auch zur virtus werden kann") be­trachtet, andererseits als „theologische Tugend", die „reines Gna­dengeschenk der göttlichen Barmherzigkeit" ist.46 Bei Thomas (und ähnlich bei Bonaventura) zielt die Hoffnung primär „auf das höch­ste Gut, Gott selbst, das Letzt-zu-Erstrebende, sekundär auf die Er­langung der Gnadenhilfe, die zum letzten Ziel hinführt"47. Von hier aus ergibt sich für Balthasar die Folgerung, daß christliche Hoffnung auf jeden Fall über diese Welt hinausgeht, nicht aber an ihr vorbei, sondern sie mitnehmend. Diese Mitnahme der Welt be­deutet, daß der Christ die innere Pflicht des Sollens haben muß, um hauptsächlich bei den Hoffnungslosesten dieser Welt die Hoffnung zu erwecken. Dies setzt aber voraus, daß er für die Armen und Un­terdrückten erst menschenwürdige Voraussetzungen schaffen muß, die ihnen plausibel machen, überhaupt Hoffnung haben zu können.48 Balthasar zeigt sehr sensibel darauf, daß Hoffnung nie individualistisch bleiben darf, sondern eine soziale Gestalt anneh­men muß. Bei dieser „Sozialität" reicht es aber nicht aus, bloß das ewige Heil der anderen zu erhoffen (in diesem Fall wäre ein allge­meines Solidaritätsgefühl mit seiner harmlosen Ineffektivität nicht mehr als bequemer Zynismus), vielmehr muß man ihnen zu einer solchen sozialen Lage helfen, in der das Aufkommen einer theolo­gischen Hoffnung erst möglich wird.49 Balthasar sieht hier richtig, daß die theologische Hoffnung nie die Aufgabe und das Ziel haben darf, mit einer Zuflucht-Funktion eine gerechte, menschenwürdige irdische Hoffnung ersetzen zu wollen. Umgekehrt gilt aber dassel­be: Irdische Güter können nicht zum Gegenstand theologischer 46 TD IV, 155. (Hervorhebung im Original.) 47 TD IV, 155. 48 Vgl. TD IV, 156. 49 Vgl. TD IV, 156.

Next

/
Oldalképek
Tartalom