Folia Theologica 18. (2007)
Mihály Kránitz: Heilige Elisabeth (1207-1231) als Vertreter des Treffens der verschiedenen christlichen Kulturen in Thüringen im 13. Jahrhundert
122 M. KRANITZ Der berühmte Historiker Friedrich Heer (1916-1983) nannte Elisabeth „eine der zartesten, innigsten und liebenswertesten" Heiligen des Mittelalters. Der katholische Theologieprofessor Alban Stolz (1808-1883) schrieb, dass „ausser der Mutter Gottes Maria noch keine weibliche Person eine grössere, weiter verbreitete Verherrlichung auf Erden gefunden hat als die heilige Elisabeth".16 Philipp von Hessen, der „Grossmütige" (1504-1567) liess Elisabeths Reliquien 1539 im Zuge der Reformation aus dem Sarg entfernen, um die Verehrung zu beenden; ihr Kopf war aber schon vorher ins Elisabethinnenkloster nach Wien gekommen. Auch die Stadt Kosice - auf ungarisch Kassa, etwas nördlich ihres Geburtsortes, heute in der Slowakei gelegen - ist ein Zentrum ihres Kultes. 3. Die Zeit der Heiligen Elisabeth: Verwandlung in der christlichen Gesellschaft des 13. Jahrhunderts Es ist keine Übertreibung, das 13. Jahrhundert saeculum contradictionis zu nennen. Die Rollenbestimmung der Frauen in der Gesellschaft hat eigentlich auch Wiedersprüche. Die klerische Intelligenz schafft sein Gesellschaftsbild, das der verwandelnden Machtstruktur entgegengesetzt ist. In Deutschland hat die Gegensätze der südlichen Staufen und der nördlichen Welfen nach dem Tod von Henrik VI. die Universalität der päpstlichen Macht zur Folge gehabt. Ungarn hat versucht, eine gesellschaftliche und geographische Synthese zwischen Osten und Westen zu bilden. Das Land suchte Alliierten im Westen, während es auch seine östliche Nachbarn und Verwandten zähmen bzw. erhalten wollte. Die Struktur der Kirche war aristokratisch, aber der Vorgang der Demokratisierung wurde immer dringender und zwingender, der durch den Aufschwung des Handels und der Schiffahrt eine engere Beziehung zwischen den Völkern und Menschen ermöglichte. 16 Vgl. STOLZ, A., Die heilige Elisabeth. Ein Buch für Christen, Herder, Freiburg 1874.