Folia Theologica 18. (2007)
Mihály Kránitz: Heilige Elisabeth (1207-1231) als Vertreter des Treffens der verschiedenen christlichen Kulturen in Thüringen im 13. Jahrhundert
118 M. KRANITZ 2. Das Leben von Elisabeth im Schnittpunkt von zwei Kulturen Es gibt wenige Heilige, deren Leben wir nach den Berichten von Augenzeugen und Zeitgenossen kennen. Das Leben von der Heiligen Elisabeth wird von mehreren Zeugenaussagen festgelegt. Alle anderen Biografien und wissenschaftlichen Bearbeitungen benutzen diese Schriften. Diese ersten Berichte sind die Beweise der Kultur, die Elisabeth und ihre Umgebung bestimmt hatte. 7 Von den fünf Kindern von Endre II. und Gertrud von Meranien ist Elisabeth die mittlere. Sie kam im Jahre 1207 (den Monat wissen wir nicht) in Sárospatak, oder nach einigen Berichten in Pozsony (Bratislava) zur Welt. Sie wurde in Buda getauft, die Liturgie hat ihr Onkel Berthold, der Erzbischof von Kalocsa zelebriert. Als Vierjährige wurde Elisabeth - unter Einfluss der politischen Interessen des Papstes Innozenz III. - mit damals elf Jahre alten Thüringen Landgrafensohn Hermann verlobt und zur Erziehung in deutscher Umgebung nach Thüringen geschickt. Als Vorbild dient dabei Hedwig von Schlesien, die Schwester ihrer Mutter. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Verlobung von politischem Hintergrund, das sowohl als eine Entscheidung der deutschen Fürsten mit Eroberungszwe- * II. 7 Die ersten Schriften über die Heilige Elisabeth: KONRAD VON MARBURG, Summa vitae mit Begleitschreiben, hg. Huyskens Albert, Quellenstudien zur Geschichte der hl. Elisabeth, Marburg 1908, 155-160; Kanonisationsbulle “Gloriosus in maiestate“ vom 1.6.1235, in Heinisch Klaus J., Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit, Darmstadt 1978, 296-298; Libellus de dictis quatuor ancillarum, Bericht aus den Protokollen der Zeugenaussagen vom Januar 1235, hs. Huyskens Albert, der sog. Libellus de dictis quatuor ancillarum s. Elisabeth confectus, München und Kempten 1911. Deutsche Übersetzung von Krage Otto in NIGG, W., Elisabeth von Thüringen, Heilige der ungeteilten Christenheit 5, Düsseldorf 1963, 70-107; PAPST GREGOR IX., Brief an den Mainzer Erzbischof u. a. von 14.10.1432, hg. GRAF VON MONTALEMBERT, Leben der hl. Elisabeth von Ungarn, übersetzt von Städtler J. Ph., 3. Aufl., Regensburg 1862, 682-683; CAESARIUS VON HEISTERBACH, Vita sanctae Elyzabeth Lantgravie und predigt, Huyskens Albert, Die Schriften des Caesarius von Heisterbach über die hl. Elisabeth von Thüringen, in Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde 43, die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach, h. von Hilka Alfons, Bonn 1937, Band 3, 331-390. Aus dem Jahre von 1297 siehe: APOLDA, D. VON, Vita S. Elyzabeth, hg. Rener Monika, Die Vita der Heiligen Elisabeth von Dietrich von Apolda, Eiwert, Marburg 1993;