Folia Theologica 18. (2007)
Mihály Kránitz: Heilige Elisabeth (1207-1231) als Vertreter des Treffens der verschiedenen christlichen Kulturen in Thüringen im 13. Jahrhundert
114 M. KRANITZ Der bis in unsere Tage bestimmende und gut sehbare Unterschied zwischen den zwei Teilen Europas kann in der Versöhnung strahlenden und Opfer bringenden Gestalt von Heiliger Elisabeth betrachtet werden. Seine Figur ist in Europa und auf der ganzen Welt bekannt, denn Papst Gregor IX. (1227-1241) hatte sie einige Jahre nach ihrem Tod heiliggesprochen, ähnlich wie die zwei grossen Ordensgründer, Franz von Assisi und Dominikus. Elisabeth mit ihren 24 Jahren ist die Tochter von zwei Nationen und hatte zweierlei Erziehung, denn einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in Pozsony - im heutigen Bratislava in der Slowakei - einen anderen Teil aber auf der Wartburg von Thüringen.3 Bei ihrer Person kann also eine zweifache Tradition entdeckt werden, auf dem Gebiet desselben Kulturkreises - die ungarische und die deutsche Tradition. Diese beiden sind in gewissem Sinne konvergent, aber - infolge ihrer verschiedenen Entwicklung - unterscheiden sich jedoch voneinander. 1. Die Entwicklung des ungarischen und deutschen Christentums Die Idee des deutsch-römischen Reiches kam von dem fränkischen Herrscher, Karl dem Grossen (747-814), dann dem König Otto I. (912-973). In Ungarn wurde die gesellschaftliche Einrichtung weniger befestigt, und das Land war wegen seiner geographischen Lage verschiedenen Angriffen ausgesetzt. Der erste ungarische König, der Heilige Stephan (975-1038) gründete zehn Bistümer, da ist aber eine Bekehrung ab 950 vorangegangen. Früher wirkten schon Priester der Diözese von Salzburg im östlichen Teil von Ungarn, im sogenannten Transdanubien, und sie vertraten die Politik der Kirche des fränkischen Reiches, sich nach Osten auszubreiten. Im Jahre 973 hat der Grossfürst der Ungarn, Géza (um 949-997) eine Botschaft nach Quedlinburg geschickt, um den Kaiser Otto um Priester zur Bekehrung zu bitten. Der Bischof von Passau, Piligrim (971-991) wollte sein Recht auch für Ungarn ausbreiten, aber sein Vorgesetzte, der Erzbischof Friedrich von Salzburg (um 930/935-991) hatte das 3 ORTRUD, R., Elisabeth von Thüringen. Eine Biografie. Landgräfin und Heilige, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2006, 49-61.